EU AI Act: Hochrisiko-Fristen werden verschoben
Das Digital Omnibus Paket verschiebt die August-2026-Frist für Hochrisiko-KI-Systeme um bis zu 16 Monate. Was das für IT-Teams bedeutet.
Wer in den letzten Monaten mit dem August-2026-Datum als Compliance-Ziel geplant hat, bekommt mehr Zeit: Die EU-Kommission schlägt im Rahmen des Digital Omnibus Pakets vor, die Fristen für Hochrisiko-KI-Systeme deutlich zu verschieben.
Was sich verschiebt
Das Omnibus-Paket unterscheidet zwei Gruppen:
Anhang-III-Systeme (eigenständige KI in Bereichen wie Beschäftigung, Bildung, Strafverfolgung oder Kreditwürdigkeitsprüfung): Die Frist verschiebt sich vom 2. August 2026 auf den 2. Dezember 2027, also rund 16 Monate später.
Anhang-I-Systeme (KI, die in Produkte integriert ist: Medizinprodukte, Maschinen, Fahrzeuge): Verschiebung vom 2. August 2027 auf den 2. August 2028, rund 12 Monate später.
Die Anforderungen aus Artikel 9 (Risikomanagementsystem), Artikel 13 (Transparenz), Artikel 14 (menschliche Aufsicht) und Artikel 15 (Genauigkeit und Robustheit) greifen für diese Systeme entsprechend später.
Warum die Verschiebung?
Die Begründung der EU-Kommission ist pragmatisch: Die technische Infrastruktur für Compliance-Nachweise fehlt noch. Das zuständige Normierungsgremium CEN-CENELEC hat signalisiert, dass harmonisierte Standards frühestens Ende 2026 vorliegen. Hinzu kommt, dass viele EU-Mitgliedsstaaten noch keine operativen Aufsichtsbehörden eingerichtet haben. Quelle: OneTrust, Morrison Foerster
Was weiter gilt
Nicht alles verschiebt sich. Die bestehenden Verbote nach Artikel 5 (bestimmte KI-Praktiken wie Social Scoring oder manipulative Systeme) gelten bereits seit Februar 2025 und bleiben unverändert. Das allgemeine Anwendungsdatum des AI Act am 2. August 2026 bleibt ebenfalls bestehen.
Kritiker warnen, dass die Verschiebung eine Lücke öffnet: Hochrisiko-Systeme, die vor Dezember 2027 auf den Markt kommen, könnten dauerhaft außerhalb der Regulierung bleiben, wenn sie danach nicht grundlegend verändert werden. Quelle: TechPolicy.Press
Wie es weitergeht
Der politische Zeitplan ist eng: Am 28. April 2026 findet der zweite Trilog-Termin statt, die zyprische Ratspräsidentschaft strebt eine Einigung bis Mai 2026 an. Scheitert die Einigung vor dem 2. August 2026, greifen automatisch die ursprünglichen Fristen. Quelle: Lewis Silkin (01.04.2026)
Für IT-Teams, die an KI-Projekten in regulierten Bereichen arbeiten: Die Richtung bleibt dieselbe, der Zeitdruck verringert sich etwas. Die Grundlagen-Compliance-Vorbereitung lohnt sich trotzdem jetzt, da die technischen Standards absehbar kommen und ein späterer Schnellstart teurer wird.