Gemini fürs Pentagon: 600 Google-Mitarbeiter protestieren
Google erlaubt Gemini in klassifizierten Pentagon-Netzen. DeepMind-Mitarbeiter unterschreiben dagegen. Warum der Protest diesmal weniger bewirkt.

Google hat dem Pentagon erlaubt, Gemini in klassifizierten Netzen zu nutzen. Der Vertrag wurde am 28. April unterzeichnet. Am selben Tag ging ein offener Brief von rund 600 Google-Mitarbeitenden an CEO Sundar Pichai. Inzwischen haben etwa 1.000 Mitarbeitende eine interne Petition unterschrieben. Googles Antwort: Man arbeite "mit Stolz" mit dem US-Militär zusammen.
Was der Vertrag erlaubt
Die Vereinbarung gibt dem Pentagon Zugriff auf Gemini für "any lawful government purpose" in air-gapped, klassifizierten Netzen. Laut Vertragstext soll die Technologie nicht für Massenüberwachung im Inland oder für autonome Waffen ohne menschliche Aufsicht genutzt werden. Rechtsexperten ordnen diese Formulierungen als unverbindliche Absichtserklärungen ein, nicht als durchsetzbare Einschränkungen.
Google reiht sich damit bei OpenAI, Microsoft, AWS, Nvidia, SpaceX, Reflection und Oracle ein, die am 1. Mai vergleichbare Verträge mit dem Pentagon unterzeichnet haben. Anthropic bleibt der einzige große KI-Anbieter, der diese Klausel ablehnt.
Warum der Protest anders läuft als 2018
2018 hatten Tausende Google-Mitarbeitende gegen Project Maven protestiert. Google ließ den Vertrag auslaufen. Diesmal ist die Ausgangslage anders.
Die Tech-Branche hat 2024 und 2025 massive Stellenstreichungen durchgezogen. Wer öffentlich protestiert, riskiert den Arbeitsplatz in einem Markt, der deutlich enger ist als 2018. Dazu kommt: Google hat interne Kommunikationskanäle eingeschränkt, über die sich der Maven-Widerstand damals koordiniert hatte.
Alex Turner, ein DeepMind-Forschungswissenschaftler, hat sich öffentlich positioniert: Google bestätige, dass es keine Nutzungsvetos habe, sich verpflichte, Sicherheitsfilter auf Regierungsanfrage anzupassen, und schmücke das Ganze mit Formulierungen ohne rechtliche Bindung.
Die Kernfrage aus dem Brief der Mitarbeitenden: In air-gapped Netzen ist Monitoring von außen unmöglich. Google hat keine Möglichkeit zu überprüfen, ob die eigenen Nutzungsbedingungen eingehalten werden. Die Mitarbeitenden argumentieren, dass das Unternehmen Verantwortung für Technologie übernimmt, deren Einsatz es nicht kontrollieren kann.
Was das für die Frontier-Lab-Landschaft bedeutet
Die Pentagon-Verträge trennen die Frontier-Labs in zwei Lager. Auf der einen Seite: Google, OpenAI, Microsoft und die anderen sieben Vertragspartner, die "all lawful purposes" akzeptieren. Auf der anderen Seite: Anthropic, das die Klausel ablehnt und dafür auf die Pentagon-Blacklist gesetzt wurde, gleichzeitig aber über Mythos, sein Cyber-Modell, in separaten Verhandlungen mit dem DOD steht.
Für DACH-Beschaffung ist das ein Bewertungskriterium, das über Token-Preise hinausgeht. Wer einen KI-Anbieter auswählt, wählt auch dessen ethische Positionierung und die damit verbundenen Compliance-Risiken. Das gilt besonders für Organisationen, die öffentliche Aufträge oder EU-regulierte Branchen bedienen.
Bildnachweise
- Stacheldrahtzaun: Foto von Daniel Bernard auf Unsplash
Quellen5
- Fortune: Google's AI deal with the Pentagon has sparked employee backlash (04.05.2026)fortune.com
- CBS News: Hundreds of Google workers urge CEO to refuse classified AI work (28.04.2026)cbsnews.com
- Euronews: Google employees urge CEO to reject classified military AI useeuronews.com
- Washington Post: Google employees ask CEO Pichai to bar classified military AI workwashingtonpost.com
- The Next Web: Google signs classified AI deal with Pentagonthenextweb.com