Code with Claude: SpaceX-GPUs und doppelte Limits

Anthropic sichert sich 220.000 GPUs von SpaceX, verdoppelt Claude-Code-Limits und stellt Managed Agents mit Dreaming vor.

Anthropic hat am 6. Mai auf "Code with Claude" in San Francisco kein neues Modell gezeigt. Stattdessen gab es einen GPU-Deal mit SpaceX, verdoppelte Claude-Code-Limits und neue Managed-Agents-Features. Weniger Glanz, mehr Substanz für den Arbeitsalltag.

SpaceX-Deal: 220.000 GPUs für Claude

Anthropic nutzt ab sofort die gesamte Rechenkapazität von Colossus 1, dem Rechenzentrum von SpaceX/xAI in Memphis, Tennessee. Das sind über 300 Megawatt und mehr als 220.000 Nvidia-GPUs (H100, H200, GB200). Die Kapazität soll innerhalb eines Monats vollständig verfügbar sein.

Der Deal ergänzt Anthropics bestehende Compute-Verträge: bis zu 5 Gigawatt mit Amazon (knapp 1 GW davon bis Ende 2026), 5 GW mit Google und Broadcom (ab 2027), 30 Milliarden Dollar Azure-Kapazität mit Microsoft und Nvidia, sowie 50 Milliarden Dollar US-Infrastruktur mit Fluidstack.

Ein Detail am Rande, das man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Elon Musk hat SpaceX und xAI fusioniert, verklagt gleichzeitig OpenAI und vermietet jetzt GPU-Kapazität an Anthropic, gegründet von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern. In dieser Branche ist offenbar jeder gleichzeitig Konkurrent und Lieferant.

Claude Code: Doppelte Limits, keine Peak-Drosselung

Wer Claude Code auf einem bezahlten Plan nutzt (Pro, Max, Team, Enterprise), bekommt ab sofort doppelt so viele Anfragen im 5-Stunden-Fenster. Pro- und Max-Nutzer verlieren außerdem die Drosselung während Stoßzeiten. API-Limits für Claude-Opus-Modelle steigen ebenfalls: bei Tier 1 um 1.500% bei Input-Tokens pro Minute und 900% bei Output-Tokens.

Die Wochen-Limits bleiben allerdings gleich, und der kostenlose Plan bekommt kein Upgrade. Trotzdem dürfte die Änderung im Alltag spürbar sein. Die Stoßzeiten-Drosselung war für viele Teams das größte Ärgernis, weil sie genau dann griff, wenn am meisten gearbeitet wurde.

Managed Agents: Orchestrierung, Outcomes und Dreaming

Managed Agents bekommen drei neue Fähigkeiten, von denen eine ziemlich ungewöhnlich ist.

Mit Multi-Agent-Orchestrierung kann ein Lead-Agent Teilaufgaben an spezialisierte Sub-Agenten delegieren. Jeder bekommt eigenes Modell, eigenen Prompt und eigene Tools. Die Sub-Agenten arbeiten parallel auf einem gemeinsamen Dateisystem und bleiben über die Claude Console nachverfolgbar. Ab sofort in der Public Beta.

Outcomes sind im Prinzip automatisierte Code-Reviews für Agenten: Entwickler beschreiben, wie ein gutes Ergebnis aussehen soll, ein separater Grader prüft die Ausgabe dagegen und fordert Nachbesserungen an. In Anthropics internen Tests hat das die Erfolgsquote um bis zu 10 Prozentpunkte angehoben. Auch Public Beta.

Und dann ist da Dreaming. Die Idee: Agenten analysieren in geplanten Intervallen ihre vergangenen Sessions, erkennen Muster und speichern Gelerntes für zukünftige Aufgaben. Wiederkehrende Fehler sollen so verschwinden, ohne dass ein Mensch sie einzeln diagnostiziert. Klingt nach Science Fiction, ist aber vorerst auch nur Research Preview.

Routines: Agenten im Hintergrund

Neben den Managed-Agents-Features hat Anthropic "Routines" für Claude Code vorgestellt. Damit lassen sich asynchrone Automatisierungen einrichten, die auf Zeitpläne, GitHub-Events oder API-Aufrufe reagieren. Das Versprechen: morgens aufwachen und fertige Pull Requests vorfinden.

Was sich im Arbeitsalltag ändert

Die verdoppelten Limits klingen erstmal nach "einfach mehr vom Gleichen". In der Praxis verschieben sie aber, was realistisch machbar ist:

Wer vor ein paar Monaten einen Opus-basierten Agenten gebaut hat und an Rate Limits gescheitert ist, sollte das Projekt nochmal rausholen. Die Mauer, die damals im Weg stand, existiert möglicherweise nicht mehr.

Wer bisher auf Haiku oder Sonnet ausgewichen ist, um das Limit zu schonen, kann sich jetzt häufiger Opus leisten. Kontextmanagement bleibt trotzdem wichtig, aber der Spielraum für Experimente wächst.

Das 1-Million-Token-Kontextfenster wird über die API erstmals in Produktion realistisch. Vorher war es technisch verfügbar, aber bei hoher Nutzung schnell gedrosselt. Und die neuen Routines für Claude Code profitieren direkt: mit doppeltem Limit bleibt genug Kapazität für automatisierte Hintergrund-Aufgaben und die tägliche Arbeit gleichzeitig.

Ein Punkt zur Einschränkung: die Wochen-Limits bleiben unverändert. Wer sein Budget bisher schon wöchentlich aufgebraucht hat, dem hilft die Verdopplung der 5-Stunden-Limits nur bedingt. Hier bleibt zu hoffen, dass mit den kommenden Deals irgendwann auch das Wochenlimit angepasst wird.

Einordnung

Keine neue Modell-Generation, aber eine klare Ansage: Anthropic investiert in die Infrastruktur und die Plattform drum herum. Claude Code ist offensichtlich das Flaggschiff-Produkt. Auf der Konferenz ging es vor allem um Claude Code, API-Limits kamen an zweiter Stelle, Claude Cowork wurde kaum erwähnt.

Ob Dreaming hält, was es verspricht, wird sich zeigen. Aber die Richtung ist klar: Anthropic will, dass Claude nicht nur einzelne Aufgaben erledigt, sondern ganze Workflows übernimmt.

Die nächsten Code-with-Claude-Events sind am 19. Mai in London und am 10. Juni in Tokio. Alle Sessions laufen auch im Livestream.

Quellen6