OMR26: Galloway warnt vor der Datacenter-Blase
NYU-Professor Scott Galloway sieht auf dem OMR Festival Überkapazitäten bei Rechenzentren, Druck auf Nvidia und OpenAI, aber auch neue Jobs durch KI.
Scott Galloway stand am 7. Mai auf der OMR-Bühne in Hamburg und machte das, wofür er bekannt ist: neun steile Thesen in 45 Minuten. Drei davon drehen sich um KI, und sie widersprechen sich auf den ersten Blick. Genau das macht sie interessant.
These 1: Die Datacenter-Blase platzt
Die schärfste These gleich zum Start: Der Bau von Rechenzentren ist die eigentliche Übertreibung im KI-Boom. Es wurden deutlich mehr Projekte angekündigt als tatsächlich realisiert. KI-Infrastruktur braucht Chips, Strom, Kühlung und Kapital. Je schneller der Ausbau, desto härter treffen hohe Energiepreise, Infrastruktur-Engpässe und politischer Widerstand.
Denn Rechenzentren sind ein schlechtes Geschäft für Kommunen: viel Stromverbrauch, wenig Arbeitsplätze. In immer mehr Regionen formiert sich Widerstand gegen neue Standorte.
Galloway sieht deshalb Druck auf zwei Seiten. Nvidia ist als zentraler Gewinner der KI-Infrastruktur stark davon abhängig, dass der Ausbau in hohem Tempo weitergeht. OpenAI steht vor einer anderen Herausforderung: Das Enterprise-Geschäft bekommt Konkurrenz. Anthropic soll OpenAI bei den KI-Ausgaben von Unternehmen bereits überholt haben, und chinesische Open-Source-Modelle greifen das untere Preissegment an. Das drückt auf Margen.
These 2: KI schafft mehr Jobs als sie vernichtet
Im selben Vortrag, in dem er die KI-Blase ausruft, argumentiert Galloway, dass KI mittelfristig mehr Arbeitsplätze schaffen wird als sie ersetzt. Allerdings andere als die heutigen.
Dazu passt seine Bildungsthese: Ein Studium wird durch KI nicht entwertet, sondern wichtiger. Gut ausgebildete Menschen nutzen neue Werkzeuge produktiver. Das klingt nach einer Binse, aber Galloway unterlegt es mit einer konkreten Beobachtung: Die Produktivitätsgewinne durch KI-Tools sind bei Leuten mit solidem Fachwissen deutlich höher als bei Einsteigern.
Übersetzt: Weiterbildung lohnt sich gerade deshalb, weil KI-Tools die Lücke zwischen Wissen und Nichtwissen nicht schließen, sondern vergrößern.
These 3: KI-Companions und die Einsamkeitsindustrie
72 Prozent der US-Teenager haben laut Galloway bereits einen KI-Companion genutzt. Seine Schlussfolgerung: Einsamkeit wird die wichtigste Consumer-Kategorie des nächsten Jahrzehnts. KI-Begleiter füllen eine Lücke, die soziale Medien geschaffen haben.
Die These ist nicht neu. Aber Galloway verbindet sie auf der OMR-Bühne mit konkreten Geschäftsmodellen und Bewertungen, die zeigen, wie viel Kapital bereits in diesen Markt fließt.
Einordnung: Blase heißt nicht Crash
Galloway hat eine gute Trefferquote bei Prognosen, aber auch eine Vorliebe für zugespitzte Thesen. Der Widerspruch zwischen "Datacenter-Blase" und "KI schafft Jobs" löst sich auf, wenn man differenziert: Die Infrastruktur-Investitionen könnten überzogen sein, ohne dass die Technologie selbst scheitert. Genau das ist bei der Dotcom-Blase passiert: Die Glasfaserkabel blieben liegen, das Internet hat sich durchgesetzt.
Für Unternehmen, die gerade KI-Budgets planen, ist die relevante Frage nicht, ob KI funktioniert, sondern ob die aktuellen Token-Preise nachhaltig sind. Wenn Galloway recht hat und die Datacenter-Investitionen sich nicht alle rechnen, könnten sich die Preise für KI-Inferenz mittelfristig verändern. In welche Richtung ist allerdings nicht klar: Überkapazitäten drücken Preise nach unten, Konsolidierung treibt sie nach oben.
Quellen6
- Heise: OMR26 Scott Galloway warnt vor KI-Blase (07.05.2026)heise.de
- Horizont: Die 9 Vorhersagen von Scott Galloway für 2026horizont.net
- Meedia: Scott Galloway warnt vor KI-Euphoriemeedia.de
- Wirtschaftsforum: Zwischen KI-Boom und Realitätwirtschaftsforum.de
- Private Banking Magazin: Galloway Trefferquote und Thesenfeuerwerkprivate-banking-magazin.de
- W&V: Tech, Trends, Takeaways KI beim OMR Festival 2026wuv.de