Unser erster Vibe Coding Day: Ein Erfahrungsbericht

Freitag Kickoff, Samstag Hands-on: 15 Kollegen haben mit KI-Agents Code gebaut. Was wir gelernt haben und warum der Kuchen unberührt blieb.

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Am Freitagnachmittag saßen wir noch etwas steif vor unseren Rechnern und überlegten, welches Projekt wir angehen wollen. Am Samstagmittag war der Flow so stark, dass der Kuchen unberührt blieb. So lässt sich unser erster Vibe Coding Day zusammenfassen.

Die Idee

Wir wollten wissen: Wie gut funktioniert KI-gestütztes Coding in der Praxis? Nicht als Vortrag, nicht als Demo, sondern als echtes Hands-on-Event. Drei Kollegen haben das mit Rückhalt der Geschäftsführung organisiert, 15 Leute haben mitgemacht. Darunter Entwickler, aber auch Kollegen ohne Programmiererfahrung.

Das Ziel war bewusst niedrigschwellig: Ausprobieren, wie man mit KI-Agents arbeitet, und verstehen, was funktioniert und was nicht. Ohne Lieferdruck, ohne Sprint-Ziel. Niemand musste am Montag etwas in Produktion haben.

Der Ablauf

Freitag, 4 Stunden: Kickoff während der Arbeitszeit. Ideen vorstellen, Teams finden, erste Schritte machen. Die Arbeitszeit am Freitag war wichtig. Sie senkt die Hemmschwelle und gibt dem Event einen offiziellen Rahmen.

Samstag, 09:00 bis 16:00 Uhr: Der eigentliche Coding-Tag. Die meisten waren vor Ort an zwei Standorten, 1–2 Teilnehmer aus dem Homeoffice. Gemeinsam arbeiten, sich gegenseitig helfen, Erfahrungen austauschen.

Thematisch mussten die Projekte nichts sein, was der Firma direkt etwas bringt. In der Praxis waren es dann trotzdem alles firmennahe Themen, die gewählt wurden. Aber selbst wenn nicht: Der Erkenntnisgewinn steht an erster Stelle. Es geht nicht um kostenlos bereitgestellte Coding-Zeit.

Was wir erlebt haben

Der Freitag fühlte sich noch nach Arbeit an. Wer macht was, wer arbeitet mit wem, wo fängt man überhaupt an? Gerade die, die noch nie mit KI-Agents gearbeitet haben, hatten Berührungsangst. Das ist normal und das vergeht.

Einige Teams haben mit BMad gestartet und die leicht frustrierende Erfahrung gemacht, dass ein ausgewachsenes Agentenframework für kleinere Vorhaben Overkill sein kann. Man beantwortet gefühlt nur Fragen der KI, ohne dass etwas Greifbares entsteht.

Am Samstagmorgen wechselte z. B. ein Team auf Claude Code mit Superpowers und hatte innerhalb kurzer Zeit erste sichtbare Ergebnisse. Das änderte die Stimmung spürbar. Es wurde viel geredet, gescherzt und gelernt. Ein Team hat BMad wirklich durchgezogen und auch dabei einiges gelernt. Lustiger Nebeneffekt: BMad hat zum Projekt eine komplette Pressemitteilung erstellt, was für einiges Gelächter sorgte. Die Verpflegung mit Süßigkeiten und Kuchen stand fast unberührt neben uns, alle waren so im Flow, dass kaum jemand Hunger bemerkte. Zum Mittagessen gab es gesponserte Sandwiches von Feinripp & Gold in Köln, die richtig gut waren.

Im Laufe des Nachmittags merkte man, wie schnell die Zeit vergangen war. Hätten wir den Tag bis 21 Uhr laufen lassen, hätte es wohl niemand bemerkt. Aber natürlich haben alle auch ein Privatleben, und das ist auch gut so.

Was dabei rauskam

Überraschend war, dass gerade die einfacheren Probleme schon zu tatsächlich nutzbaren Ergebnissen geführt haben. Eine Arbeitsplatzreservierung für einen Standort wäre so im Intranet einsetzbar, eine Mittagessen-Koordinierung ebenso. Kein Prototyp, der in der Schublade landet, sondern etwas, das man am Montag wirklich benutzen könnte.

Aber die konkreten Projektergebnisse sind fast nebensächlich. Was zählt: Alle haben etwas gelernt. Vom erfahrenen Entwickler bis zum Kollegen ohne Coding-Hintergrund. Die Berührungsangst vor KI-Agents, die am Freitag noch spürbar war, war am Samstagnachmittag weg.

Mein persönlicher Lieblingsmoment: Eine Kollegin ohne technischen Hintergrund, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen Git-Branch angelegt hat. "Ich habe einen Branch angelegt!!!!" hörte man hinter dem Monitor. Das war ehrliche Begeisterung.

Die Teams haben nebenbei auch verstanden, wann welcher Ansatz passt. Wann sich ein strukturiertes Framework lohnt und wann man mit einem leichtgewichtigen Agent schneller zum Ziel kommt. Nicht weil es jemand erklärt hat, sondern weil sie es selbst ausprobiert haben.

Ich will das wieder machen. Öfter, mit mehr Leuten, vielleicht irgendwann auch mal Kunden.

Was ich beim nächsten Mal wieder so machen würde

Der halbe Tag Arbeitszeit am Freitag als Kickoff war entscheidend. Er zeigte, dass die Geschäftsführung dahinter steht und den Einsatz am Samstag wertschätzt. Und er gibt dem Ganzen einen offiziellen Rahmen.

Zwei bis drei Leute mit KI-Erfahrung als Sparringspartner dabei zu haben ist Pflicht. Nicht als Dozenten, die vorne stehen und erklären, auch wenn ein 5-Minuten-Impulsvortrag als Kickstart hilfreich sein kann. Sondern als Ansprechpartner, zu denen man rüberrufen kann, wenn man nicht weiterkommt.

Die Teams sollen ihre eigenen Projektideen einbringen. Erzwungene Themen funktionieren nicht. Gemischte Teams aus Technikern und Fachleuten funktionieren überraschend gut, weil die Fachleute die Anforderungen beisteuern und die Techniker bei Hürden helfen.

Gemeinsam vor Ort ist besser als remote. Der Austausch zwischen den Teams passiert nebenbei am Kaffeeautomaten, über die Tische hinweg im großen Büro oder Meetingraum und ist fast genauso wertvoll wie die eigentliche Arbeit. Und ihr solltet für gutes Essen sorgen. Klingt trivial, macht aber einen Unterschied.

Ganz wichtig: Sprecht danach darüber. Im Team, in der Firma. Wer dieses Mal nicht dabei war, soll beim nächsten Mal Lust bekommen mitzumachen.

Machen ist wie Wollen, nur krasser

Wir hätten monatelang über KI-Coding reden können. Haben wir zum Teil auch. Aber ein Wochenende Ausprobieren hat mehr gebracht als jede Präsentation und jedes Meeting zu dem Thema zusammen.

Ob ihr ein Softwareunternehmen seid oder KI als Werkzeug in anderen Bereichen einsetzen wollt: Macht einen Vibe Coding Day oder KI-Experimente Tag. Die Kosten sind überschaubar, der schlimmste Fall ist ein guter Teamtag, und der beste Fall ist, dass eure Leute montags anders über KI nachdenken als freitags.