Codex auf dem Handy: KI-Agenten von unterwegs steuern

OpenAI bringt Codex in die ChatGPT-App. Entwickler können laufende Sessions freigeben, umlenken und reviewen, ohne am Rechner zu sitzen.

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Wer Codex auf dem Laptop laufen lässt und kurz den Schreibtisch verlässt, kennt das Problem: Der Agent stellt eine Frage, wartet auf Freigabe, und nichts passiert, bis man zurück ist. Ab sofort geht das auch vom Handy.

OpenAI hat Codex am 14. Mai 2026 in die ChatGPT-App für iOS und Android integriert. Die Mobile-Version ist kein abgespeckter Chat, sondern eine vollständige Fernsteuerung für laufende Codex-Sessions auf dem Rechner.

Was vom Handy aus geht

Die App zeigt laufende Sessions mit ihrem aktuellen Stand. Konkret kann man:

  • Aktionen freigeben oder ablehnen (z.B. wenn Codex eine Datei löschen will)
  • Laufende Tasks umlenken oder stoppen
  • Diffs, Terminal-Output und Test-Ergebnisse reviewen
  • Screenshots der Arbeitsoberfläche einsehen
  • Neue Threads starten oder bestehende fortsetzen
  • Das Modell wechseln

Dateien, Credentials und lokale Konfiguration bleiben auf dem Host-Rechner. Nur die Updates (Diffs, Logs, Freigabe-Anfragen) werden zum Handy gestreamt.

Wie die Verbindung funktioniert

Codex nutzt einen Secure-Relay-Layer, der den Host-Rechner erreichbar hält, ohne ihn direkt dem Internet auszusetzen. Das Relay synchronisiert Session-State und Kontext über alle Geräte, auf denen man bei ChatGPT eingeloggt ist. Keine Port-Freigabe, kein VPN-Setup nötig.

Aktuell verbindet sich die Mobile-App nur mit der macOS-Version der Codex Desktop App. Windows-Support kommt laut OpenAI später.

Verfügbarkeit und Zahlen

Die Preview ist auf allen ChatGPT-Plänen verfügbar, auch auf Free und Go. Laut OpenAI nutzen inzwischen über 4 Millionen Menschen Codex wöchentlich.

Parallel hat OpenAI Remote SSH für Codex in die General Availability gebracht. Damit kann Codex sich über SSH mit zentral verwalteten Entwicklungsmaschinen verbinden, ohne die bestehenden Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens zu umgehen.

Einordnung

Das Feature löst ein konkretes Problem bei agentischem Arbeiten: Agenten, die autonom laufen, brauchen regelmäßig menschliche Entscheidungen. Wenn der Mensch aber nur am Desktop erreichbar ist, entstehen Wartezeiten, die den ganzen Workflow bremsen.

Anthropic hat mit Claude Code Agent View (11.05.) einen ähnlichen Ansatz gewählt, allerdings als Dashboard für mehrere parallele Sessions auf dem Desktop, nicht als Mobile-App. Die Frage, wie man Agenten beaufsichtigt, die über Stunden oder Tage laufen, wird in den kommenden Monaten bei allen Anbietern eine Rolle spielen.

Für Teams, die Codex bereits nutzen: Die Mobile-Integration macht den Agent-Workflow deutlich praxistauglicher. Man muss nicht mehr am Rechner sitzen, um eine Freigabe zu erteilen oder einen fehlgeschlagenen Test zu sehen. Ob man das will, wenn man eigentlich Feierabend hat, ist eine andere Frage.

Quellen5