Copilot-Umbau: Vier Termine bis Oktober

GitHub legt Copilot Chat zusammen, ändert den Review-Default und rechnet Sitze vorab ab. Der Punkt für Datenschützer steckt im Kleingedruckten.

GitHub hat am 28.08.2026 einen Sammel-Changelog veröffentlicht, der unter der harmlosen Überschrift "policies and billing" drei Änderungen bündelt. Eine davon betrifft nur die Buchhaltung, eine kostet still Geld, und eine ist ein Datenschutzthema.

Die Termine im Überblick

TerminWas passiert
Ende August 2026Aktionszeitraum mit erhöhten AI Credits für Bestandskunden läuft aus
ab 28.09.2026Copilot Chat wird zusammengelegt, Chat-Daten bleiben dauerhaft gespeichert
ab 28.09.2026Code-Review-Default wechselt von Lite auf Balanced
ab 01.10.2026Sitze werden vorab abgerechnet, auch bei Bestandskunden

Der Punkt, der ins Löschkonzept gehört

Ab frühestens 28. September legt GitHub drei Oberflächen zusammen: Copilot Chat auf github.com, Copilot Chat in GitHub Mobile und den Copilot Cloud Agent. Aus drei getrennten Policies wird eine einzige. Das ist für Administratoren erst einmal eine Vereinfachung.

Der Nebensatz hat es in sich: Die Aufbewahrung der Chat-Daten steigt dabei von 28 Tagen auf die Lebensdauer des Kontos. Bisher war der Chat auf github.com ein flüchtiges Werkzeug, ab dann ist er ein Archiv. Angeglichen wird an das Verhalten des Cloud Agents, der das schon immer so gehandhabt hat.

Wer in Deutschland ein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten pflegt, hat hier Arbeit. In Copilot Chat landen Codeausschnitte, Fehlermeldungen, Stacktraces und gelegentlich auch Kundendaten aus Testfällen, und während sich eine Löschfrist von 28 Tagen sauber in einem Löschkonzept abbilden lässt, tut "Lebensdauer des Kontos" genau das nicht. Jedenfalls nicht ohne eigene Festlegung.

Dazu kommt: Die neue Oberfläche ist nach dem Start standardmäßig aktiv. GitHub schreibt ausdrücklich, Administratoren sollten ihre Einstellungen vor dem 28. September prüfen und bestätigen. Wer das nicht tut, bekommt die Änderung, ohne sie entschieden zu haben.

Der Punkt, der still Geld kostet

Ebenfalls ab 28. September wechselt die Standard-Prüftiefe von Copilot Code Review von Lite auf Balanced. Das gilt für bestehende und neue Repositories und Organisationen.

Balanced arbeitet gründlicher, also auch aufwendiger. Weil die Abrechnung über AI Credits läuft, ist eine tiefere Standardeinstellung damit eine Kostenentscheidung, die niemand bewusst getroffen hat und die trotzdem jeden Monat auf der Rechnung steht. Wer Lite behalten will, muss es explizit im Repository oder in der Organisation auswählen. Auf "Default" stehen zu bleiben reicht nicht, denn genau dessen Bedeutung ändert sich.

Zur Einordnung der Größenordnung: Copilot Business kostet 19 Dollar pro Nutzer und Monat und enthält 1.900 AI Credits, Enterprise kostet 39 Dollar und enthält 3.900 Credits. Was darüber hinausgeht, wird mit 0,01 Dollar je Credit berechnet. Die Preise selbst ändern sich nicht, der Verbrauch pro Review schon.

Zwei Tage zuvor, am 26.08., ist außerdem die globale Modellrichtlinie für Business und Enterprise allgemein verfügbar geworden, bei der Open-Weight-Modelle standardmäßig deaktiviert sind. Wer beides zusammen nimmt, sieht dieselbe Richtung: mehr zentrale Vorgabe, weniger Zufall in den Einstellungen.

Der Punkt, der bei der Buchhaltung landet

Ab 1. Oktober wird jede zugewiesene Copilot-Business- oder -Enterprise-Lizenz vorab berechnet, bevor der Nutzer Zugriff bekommt. Das galt schon für Neukunden und greift dann auch für Bestandskunden, die per Kreditkarte oder PayPal zahlen. Rückerstattungen beim Entfernen von Sitzen werden nicht anteilig gerechnet.

Praktisch heißt das: Ein Sitz, der Mitte des Monats entfernt wird, ist trotzdem voll bezahlt. Wer Lizenzen bisher flexibel zwischen Projekten geschoben hat, sollte diese Praxis überdenken, sonst zahlt man mehrfach für dieselbe Person.

Bemerkenswert am Rande: GitHub öffnet mit dieser Änderung die Registrierung für Business und Enterprise wieder. Sie war seit dem Umbau der Copilot-Pläne im April eingeschränkt. Die Vorab-Abrechnung ist offenbar der Preis dafür, dass wieder alle buchen können.

Was das für euch heißt

Es ist eine überschaubare Liste, und sie lässt sich in einer halben Stunde abarbeiten:

  • Vor dem 28. September in den Organisationseinstellungen die Review-Effort-Stufe explizit setzen, wenn Lite gewünscht ist. Nicht auf "Default" stehen lassen.
  • Vor dem 28. September entscheiden, ob die zusammengelegte Chat-Oberfläche mit dauerhafter Datenspeicherung für euch tragbar ist, und diese Entscheidung dokumentieren. Wer Datenschutzfolgenabschätzungen für Copilot gemacht hat, muss sie an dieser Stelle nachziehen.
  • Vor dem 1. Oktober die Sitzverwaltung durchsehen, besonders wenn Lizenzen bisher rotiert wurden.
  • Jetzt einen Blick auf den Credit-Verbrauch werfen, solange der Aktionszeitraum noch läuft. Die erhöhten Credits für Bestandskunden gelten laut Dokumentation von Juni bis August, also nur noch diesen Monat. Der September zeigt den echten Verbrauch, und den sollte man kennen, bevor die erste Rechnung ihn zeigt.

Nichts davon ist dramatisch, und die Preise steigen nicht. Aber drei der vier Punkte wirken durch Voreinstellungen, nicht durch aktive Entscheidungen. Genau deshalb lohnt der Termin im Kalender: Wer nichts tut, bekommt tiefere Reviews, dauerhaft gespeicherte Chats und eine unflexiblere Lizenzverwaltung. Das ist alles vertretbar, sollte aber gewollt sein.

Quellen4