Drei Stunden ohne ChatGPT, Claude und Grok

Drei Stunden ohne die drei naheliegenden Werkzeuge, und keiner der Anbieter nennt eine Ursache. Was das über die eigene Abhängigkeit sagt.

Am Donnerstagvormittag, dem 03.09.2026, waren ChatGPT, Claude und Grok gleichzeitig gestört. Wer an dem Vormittag mit einem Coding-Agenten gearbeitet hat, konnte nicht ausweichen, weil alle drei naheliegenden Alternativen zur selben Zeit weg waren.

Was belegt ist

Am genauesten dokumentiert ist der Verlauf bei Anthropic. Aus der Statusseite:

  • 13:26 UTC Untersuchung eingeleitet
  • 13:41 UTC Ursache intern identifiziert
  • 15:25 UTC teilweise Erholung
  • 16:06 UTC Fix ausgerollt
  • 16:23 UTC Vorfall geschlossen

Betroffen waren Claude Mythos 5.1 und 5, Fable 5.1 und 5 sowie Opus 5, 4.8 und 4.6, und zwar über claude.ai, die API, Claude Code und Claude Cowork. Knapp drei Stunden vom ersten Eintrag bis zum Abschluss.

Bei OpenAI verzeichnet die Statushistorie erhöhte Fehlerraten bei ChatGPT und Codex, mit einem Detail, das den Ärger verlängert hat: Ein Teil der Codex-Nutzer musste anschließend die Mobilgeräte neu koppeln. Grok war parallel gestört.

Was nicht belegt ist

Keiner der drei Anbieter hat öffentlich eine Ursache genannt. Anthropic schreibt, die Ursache sei identifiziert, und nennt sie nicht. OpenAI nennt in der Historie überhaupt keine.

In der Berichterstattung kursieren zeitgleiche Störungen bei Cloudflare und bei Microsoft Azure als Erklärung. Das ist plausibel und trotzdem unbelegt. Wer daraus eine gemeinsame Ursache macht, geht weiter, als die Quellenlage trägt. Man kann festhalten, dass drei Anbieter gleichzeitig ausgefallen sind, ohne zu behaupten, man wisse warum.

Bemerkenswert bleibt die Gleichzeitigkeit trotzdem. Drei Wettbewerber, die als voneinander unabhängig wahrgenommen werden, fallen im selben Zeitfenster aus. Ob dahinter eine geteilte Schicht steckt oder ein Zufall, ändert nichts an der Beobachtung, die für die eigene Planung zählt: Die Unabhängigkeit war an diesem Vormittag jedenfalls keine.

Der Punkt, um den es eigentlich geht

Anbieter fallen aus. Das ist normal, es passiert jedem Rechenzentrum, und drei Stunden sind kein Drama. Woanders liegt der Unterschied zu einem gewöhnlichen Ausfall. Fällt euer Ticketsystem aus, arbeitet ihr weiter und tragt später nach. Fällt dagegen ein KI-Dienst aus, gegen den ein Team seine Arbeitsabläufe gebaut hat, steht ein Teil der Arbeit still. Und die übliche Antwort darauf, nämlich ein zweiter Anbieter, hat an diesem Vormittag nicht funktioniert.

Genau das ist die Frage, die aus dem Vorfall folgt. Nicht ob eure Anbieter gut sind, sondern ob euer Ersatzplan aus derselben Schicht stammt wie das Original. Zwei Anbieter sind nur dann zwei Ausfallpfade, wenn sie sich keine Infrastruktur teilen. Wisst ihr, ob das bei euch der Fall ist?

Was eine tragfähige Rückfallebene ausmacht

Ein Ersatzplan, der im Ernstfall trägt, hat drei Eigenschaften. Er läuft auf anderer Infrastruktur, er ist vorher einmal ausprobiert worden, und der Wechsel kostet keine Codeänderung.

Am unabhängigsten ist ein Modell, das auf eurer eigenen Hardware läuft. Das stärkste muss es dafür nicht sein. Für Codevervollständigung, Zusammenfassungen, Testentwürfe und den Großteil der Alltagsarbeit reicht deutlich weniger, als die Benchmarktabellen nahelegen. Was dafür an Hardware nötig ist, steht im Hardware-Test für lokale Modelle, und der praktische Einstieg in Ollama: KI lokal und DSGVO-konform nutzen.

Passend dazu ist am selben Tag K2 Horizon erschienen, sechs Modelle unter Apache 2.0 von der Uhr bis zum Server. Ein Zusammentreffen, aber ein lehrreiches: Am Tag, an dem die drei großen Dienste ausfielen, wurde die selbst betreibbare Alternative breiter.

Der zweite Teil ist banaler und wird trotzdem übersehen. In die Konfiguration gehört der Endpunkt, nicht in den Code. Wer den Anbieter über eine Umgebungsvariable wechseln kann, braucht im Ernstfall Minuten. Muss dafür erst deployt werden, geht der halbe Tag drauf, den der Ausfall ohnehin schon gekostet hat.

Was das für euch heißt

Macht daraus keine Grundsatzentscheidung gegen gehostete Modelle. Sie sind stärker, billiger im Einstieg und in den allermeisten Stunden des Jahres verfügbar.

Drei Stunden Ausfall rechtfertigen keinen Umbau.

Was sie rechtfertigen, ist eine Stunde Nachdenken über zwei Fragen. Welche eurer Abläufe stehen wirklich still, wenn der Dienst weg ist, und welche fühlen sich nur unangenehm an. Und für die erste Gruppe: Gibt es einen Weg, der nicht durch dieselbe Infrastruktur läuft.

Wer beides beantworten kann, für den war der 03.09. eine Randnotiz. Der bessere Zeitpunkt für die Antwort ist ohnehin der Tag danach und nicht der Tag selbst.

Quellen5