UBS und die KI-Pflicht: was wirklich dasteht

Die UBS verlangt angeblich KI-Kompetenz von Berufseinsteigern. Auf der eigenen Karriereseite steht etwas anderes. Der Abgleich lohnt sich.

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Am 07.09.2026 ging eine Meldung durch die Tech-Presse: Die UBS macht KI-Kompetenz zur Einstellungsvoraussetzung. Ab dem Jahrgang 2027 müssten Absolventen und Praktikanten nachweisen, dass sie KI-Werkzeuge einsetzen können.

Die UBS ist die größte Bank der Schweiz. Sie entstand 1998, als die Swiss Bank Corporation und die Union Bank of Switzerland fusionierten. Auf die zweite geht der Name zurück.

Für den DACH-Raum ist die Meldung damit relevanter als die üblichen US-Nachrichten zum Thema. Sie betrifft einen Arbeitsmarkt, der hier tatsächlich zählt.

Wir haben nachgesehen, was die UBS selbst schreibt. Und da steht etwas anderes.

Was berichtet wird

Ursprungsquelle ist die Financial Times, aufgegriffen unter anderem von The Next Web. Da der Artikel hinter einer Bezahlschranke steht, stützen wir uns auf die Wiedergabe durch andere Redaktionen und kennzeichnen das entsprechend.

Der berichtete Kern: Für Absolventen- und Praktikantenstellen im Bereich Global Banking and Markets, Eintritt 2027, werden Bewerbungsgespräche künftig Fragen dazu enthalten, wie Kandidaten KI tatsächlich einsetzen. Erwartet wird kein Expertenwissen, sondern der Nachweis, KI verantwortungsvoll für bessere Arbeitsergebnisse zu nutzen, und die Bereitschaft dazuzulernen. Ein reines "ich nutze ChatGPT" soll ausdrücklich nicht genügen.

Die UBS wird mit der Einordnung zitiert, KI-Fähigkeiten ergänzten akademische und soziale Fähigkeiten, ersetzten sie aber nicht. Teile der Berichterstattung berufen sich auf "people familiar with the matter", also nicht auf benannte Vertreter des Hauses.

Laut FT verlangt auch Santander für einige Trainee-Programme fortgeschrittene KI-Kenntnisse.

Was auf der Karriereseite der UBS steht

Auf der offiziellen Seite zum Graduate Talent Program taucht KI auf, aber an einer anderen Stelle im Prozess:

"Through our AI Fluency Pathway, you'll build a strong foundation in AI, focusing on real-world use cases, responsible application and sound judgment."

Das ist ein Entwicklungsangebot während des Programms, kein Zugangskriterium. Die formalen Anforderungen sind nach Region gestaffelt und drehen sich um den Abschluss: ein kürzlich abgeschlossenes Studium, das zum Programmstart vollständig abgeschlossen sein muss, und höchstens zwei Jahre Vollzeit-Berufserfahrung. Dazu kommt regional eine Mindestnote, für Indien ein GPA von 6,5, für die US-Standorte einer von 3,0.

KI-Kenntnisse stehen nicht unter den Bewerbungsvoraussetzungen.

Der Unterschied, auf den es ankommt

Beides kann gleichzeitig zutreffen. Ein Bewerbungsgespräch kann Fragen zur KI-Nutzung enthalten, ohne dass KI-Kompetenz als formales Kriterium ausgeschrieben ist. Genau das ist nach der Berichtslage der Fall.

Für Bewerber ist der Unterschied trotzdem erheblich:

Formale VoraussetzungInterviewthema
Steht in der AusschreibungSteht nirgends
Fehlt sie, wird aussortiertWirkt auf die Gesamtbewertung
Nachprüfbar und einklagbarErmessen der Gesprächsführung
Gilt für alle Stellen gleichKann je nach Bereich variieren

Ein unausgeschriebenes Kriterium ist für Bewerber schwerer zu bedienen als ein ausgeschriebenes, weil man nicht weiß, dass es existiert, und weil sich nicht überprüfen lässt, wie es gewichtet wird. Die Schlagzeile "KI-Kompetenz wird Pflicht" ist insofern zu grob, aber nicht in die beruhigende Richtung.

Wir haben gestern beschrieben, wie oft in diesem Themenfeld eine Zuschreibung der Redaktion zur Aussage des Unternehmens wird. Hier ist es milder gelagert: Die Substanz stimmt, die Kategorie verschiebt sich. Aus "wird im Gespräch abgefragt" wird "ist Voraussetzung".

Warum das trotzdem ein Signal ist

Das Muster dahinter reicht über die UBS hinaus.

Die Bitkom-Zahlen für Deutschland zeigen in dieselbe Richtung: 63 Prozent der befragten Unternehmen erwarten, dass KI-Kenntnisse in allen IT-Berufen gebraucht werden, 74 Prozent, dass die strategische Steuerung und Kontrolle von KI wichtiger wird. Das sind Erwartungen. Die UBS-Meldung ist ein früher Fall, in dem eine solche Erwartung in einen Auswahlprozess wandert.

Bemerkenswert ist dabei, was gefragt werden soll: nicht, ob jemand ein bestimmtes Werkzeug kennt, sondern wie er es einsetzt und beurteilt. Der interne Pfad heißt nicht ohne Grund "Fluency" und nennt als Inhalte reale Anwendungsfälle, verantwortungsvollen Einsatz und das Urteilsvermögen, KI-Ausgaben kritisch zu prüfen.

Das deckt sich mit dem, was in der Praxis den Unterschied macht. Ein Prompt zu formulieren lernt man an einem Nachmittag. Zu erkennen, wann eine Antwort plausibel aussieht und trotzdem falsch ist, dauert länger, und genau darum geht es bei der Qualität von KI-generiertem Code.

Was ihr daraus mitnehmt

Wer sich in absehbarer Zeit bewirbt, sollte davon ausgehen, dass die Frage nach der eigenen KI-Nutzung kommt, auch wenn sie in keiner Ausschreibung steht. Brauchbar ist darauf keine Werkzeugliste, sondern ein konkretes Beispiel: eine Aufgabe, ein eingesetztes Werkzeug, das Ergebnis, und was daran nicht funktioniert hat. Der letzte Teil ist der, der Urteilsvermögen zeigt.

Wer einstellt, kann sich an der UBS-Konstruktion orientieren, sollte das Kriterium dann aber ausschreiben. Ein Anforderungsprofil, das nur im Gesprächsleitfaden existiert, benachteiligt genau die Bewerber, die keinen Zugang zu informellen Informationen haben.

Und wer eine Meldung dieser Art liest, sollte einmal auf die Karriereseite des Unternehmens schauen. Der Abgleich dauert zwei Minuten und ändert in diesem Fall die Aussage.

Quellen4