Meta streicht den Tokenzähler aus der Bewertung

Meta bewertet Beschäftigte nicht mehr danach, wie viel KI sie nutzen. Warum die Kehrtwende kommt und warum Tokenzähler hierzulande ohnehin heikel sind.

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Meta bewertet seine Beschäftigten nicht mehr danach, wie viel KI sie verbrauchen. Das berichtete The Information am 02.09.2026, WIRED hat es kurz darauf mit drei Beschäftigten bestätigt, die die interne Mitteilung bekommen haben. Engineers wurde gesagt, das Unternehmen "will not use AI adoption dashboards or token counts to evaluate impact".

Damit endet nach knapp einem Jahr ein Anreizsystem, das der Branche ein neues Wort beschert hat: Tokenmaxxing. Gemeint ist das Hochtreiben des eigenen KI-Verbrauchs, damit man in internen Statistiken gut dasteht, egal ob das der Arbeit hilft.

Was sich ändert

Die neuen Richtlinien für Leistungsbeurteilungen streichen laut WIRED Kriterien wie "usage of AI" und die Einstufung als "AI Native". Stattdessen heißt es jetzt, gewünschte Ergebnisse "can be supported by AI or other means". Bewertet wird wieder, was bei der Arbeit herauskommt.

Meta selbst spricht von einer Klarstellung. Sprecher Tracy Clayton sagte WIRED, man bewerte Beschäftigte seit jeher nach ihren Beiträgen, und Labels wie "AI Native" seien nie für Leistungsbeurteilungen verwendet worden. Einige Beschäftigte sehen das anders. Sie beschreiben die Änderung gegenüber WIRED als klein, aber willkommen, weil der Druck wegfalle, KI auch dort einzusetzen, wo sie nichts bringt.

Wie es dazu kam

WannWas
Ende 2025Meta kündigt an, Beschäftigte nach "AI-driven impact" zu bewerten, berichtet Business Insider. In der Praxis zählte, wie viel jemand Chatbots und Agenten nutzte.
April 2026Eine intern gebaute Rangliste, die Beschäftigte etwa als "Token Legend" auswies, wird nach einem Leak abgeschaltet.
Juni 2026Ein Memo an rund 6.000 Beschäftigte warnt vor internen KI-Kosten in Milliardenhöhe. In gut 30 Tagen waren 73,7 Billionen Token angefallen. Ab 2027 sollen Budgets und Zuteilungen gelten.
Juli 2026Rund zwei Dutzend im Mai entlassene Beschäftigte klagen. Sie sagen, wer wegen Krankheit oder aus familiären Gründen ausfiel, konnte keinen Verbrauch sammeln und wurde dafür benachteiligt. Meta bestreitet das.
Anfang September 2026Die neuen Richtlinien streichen die KI-Nutzung als Kriterium.

Den Ton für die Wende hatte CTO Andrew Bosworth schon im Juni gesetzt, in einem eigenen Memo:

"Nobody should be using AI tools just for the sake of using them. All motion is not progress and token usage alone is not a measure of impact of any kind."

Der Verbrauch sinkt trotzdem nicht

Hier wird die Geschichte widersprüchlich. Zeitgleich ermutigt Meta seine Leute, Hatch auszuprobieren, einen internen Agenten, der selbstständig im Browser und in anderen Anwendungen arbeitet. Ausdrücklich freiwillig, aber erwünscht. Laut den Beschäftigten, mit denen WIRED gesprochen hat, verbraucht Hatch deutlich mehr Token als die Chatbots und Coding-Assistenten davor. Ihr Verbrauch steigt weiter.

Gizmodo hat das so zugespitzt: Man hebt die Pflicht auf, möglichst viel zu schießen, und verteilt gleichzeitig ein Maschinengewehr. Das trifft den Kern. Die Kennzahl ist weg, der Anreiz nicht ganz. Die Beschäftigten gehen laut WIRED davon aus, dass das Management weiterhin sehen will, dass sie mit KI-Werkzeugen umgehen können.

Dazu kommt Misstrauen. Manche zögern, Hatch mit privaten Konten wie Mail oder Kalender zu verbinden. Meta hatte zuvor ein Projekt gestoppt, das Tastatureingaben und andere Aktivitäten auf Arbeitsgeräten für KI-Training erfasste. Und einige fürchten, dass ein erfolgreicher Agent vor allem weitere Stellenstreichungen bedeutet.

Andere Konzerne rudern auch zurück

Meta ist nicht der erste Konzern, der zurückrudert. Bei Amazon führte eine interne Rangliste namens KiroRank dazu, dass Entwickler Agenten mit überflüssigen Aufgaben beschäftigten. Die Liste ist inzwischen abgeschafft, mehrere Projekte lagen da schon weit über Budget.

Red Hat geht seit Anfang September den umgekehrten Weg und deckelt. Laut The Register gilt in der Entwicklung ein Tokenbudget von 300 Dollar pro Person und Monat, und nicht verbrauchtes Budget darf niemand an Kollegen weitergeben. Red Hat hat sich dazu nicht geäußert. Zur Einordnung zitiert The Register eine Gartner-Erhebung, nach der knapp ein Viertel der Technologie-Verantwortlichen zwischen 200 und 500 Dollar pro Entwickler und Monat ausgibt.

Bei allen dreien läuft es auf dieselbe Frage hinaus: Wer verantwortet die Kosten?

In Deutschland wäre das Leaderboard gar nicht so einfach

Für Teams hierzulande gibt es einen Grund mehr, die Finger von Tokenzählern pro Person zu lassen. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG bestimmt der Betriebsrat mit bei der "Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen".

Entscheidend ist das Wort "bestimmt". Das Bundesarbeitsgericht legt es seit Langem weit aus und hat das im Office-365-Beschluss noch einmal festgehalten: Bestimmt sind technische Einrichtungen, wenn sie "objektiv geeignet sind, Verhaltens- oder Leistungsinformationen über den Arbeitnehmer zu erheben und aufzuzeichnen". Ob der Arbeitgeber das vorhat, spielt keine Rolle.

Ein Dashboard, das den KI-Verbrauch einzelnen Personen zuordnet, erfüllt das ziemlich offensichtlich. Wer so etwas im Betrieb einführen will, braucht vorher eine Einigung mit dem Betriebsrat, und die dürfte bei einer Rangliste nach Meta-Vorbild kaum zustande kommen. Die Klage der entlassenen Meta-Beschäftigten zeigt zudem, wo solche Kennzahlen unfair werden: bei allen, die gerade nicht da sind. Wir sind keine Anwälte, für die eigene Situation hilft der Betriebsrat oder eine Fachanwältin weiter.

Was ihr daraus mitnehmt

Quellen7