Ein Claude statt Chat und Cowork
Anthropic legt Chat und Cowork zusammen und bringt Claude Docs und Slides. Was wohin wandert, was wegfällt und warum es kein Zurück gibt.
Wer Claude nutzt, musste bisher vor jeder Aufgabe eine Entscheidung treffen: normaler Chat oder Cowork-Session? Der Chat für die schnelle Frage, Cowork für alles, was Dateien anfasst, länger läuft oder mehrere Schritte braucht. Diese Weiche baut Anthropic jetzt ab.
Seit dem 16.09.2026 verschmelzen Chat und Cowork zu einer einzigen Oberfläche. Man schreibt einfach, was man braucht, und Claude entscheidet selbst, welche Werkzeuge die Aufgabe braucht. Dazu kommen zwei neue Werkzeuge: Claude Docs und Claude Slides.
Warum Anthropic das macht
Die Begründung ist nachvollziehbar. Laut Anthropic haben Nutzer beide Bereiche verwendet, gestört hat sie aber die Vorabentscheidung, wohin eine Aufgabe gehört. Was man im einen Bereich angefangen hatte, ließ sich nicht im anderen weiterführen. Wir hatten im Juli über die Cowork-Nutzungsdaten geschrieben: Über 90 Prozent davon war Büroarbeit, keine Softwareentwicklung. Genau diese Leute sollen jetzt nicht mehr über Modi nachdenken müssen.
Was neu ist
Claude Docs sind Dokumente, die man gemeinsam mit Claude und dem Team schreibt. Claude entwirft Abschnitte, fragt nach und kommentiert. Exportieren lässt sich laut heise nach Google Docs und Word.
Claude Slides entwirft Foliensätze, die man direkt in Claude bearbeitet und auch von dort aus präsentiert. Download als PowerPoint oder PDF bleibt möglich.
Claude Design funktioniert jetzt auch innerhalb normaler Unterhaltungen. Wer es bisher separat nutzt, kann das weiter tun.
Alles, was mit Docs, Slides oder Design entsteht, liegt hinter einem teilbaren Link. Alle drei sind Beta und nur in bezahlten Plänen verfügbar.
Aus der Cowork-Welt übernimmt die gemeinsame Oberfläche das, was dort schon ging: Aufgaben laufen in der Cloud weiter, auch wenn der Laptop zu ist. Sie lassen sich zeitgesteuert wiederholen und vom Handy aus verfolgen und umlenken. Nur wer lokale Dateien, den eingebauten Browser oder die Computersteuerung braucht, muss die Desktop-App offen haben.
Was wohin wandert
Wer schon Cowork benutzt hat, findet laut Help Center alles wieder, aber teilweise an anderer Stelle:
| Bisher | Jetzt |
|---|---|
| Cowork-Aufgaben in eigener Liste | Zusammen mit den Chats unter "Recents" |
| "Global instructions" in Cowork | Teil von "Instructions for Claude" unter Settings > General |
| Schalter für Websuche | Entfällt, Claude sucht, wenn es hilft |
| Research-Modus | Über /deep-research oder das "+" unter dem Eingabefeld |
| Cowork-Speicherordner | Bleibt, zu finden als "Storage folder" in den Settings |
| Freigegebene Ordner | Stehen unter "Trusted folders" |
Den Hinweis zu den globalen Anweisungen sollte man ernst nehmen. Anthropic empfiehlt selbst, nach der Umstellung zu prüfen, ob dort noch das steht, was man will.
Was wegfällt oder hakt
Der Help-Center-Artikel listet ein paar Einschränkungen, die in der Ankündigung nicht vorkommen:
- Kein Weg zurück. Sobald das Konto umgestellt ist, gibt es die getrennte Auswahl "Chat" und "Cowork" nicht mehr.
- Dispatch gibt es für neue Nutzer nicht mehr. Wer es schon verwendet, darf es "vorerst" weiter nutzen.
- "Add from GitHub" wird nicht unterstützt.
- Verzweigen eines Gesprächs an einer früheren Stelle geht nicht.
- Inkognito-Chats öffnen sich in der alten Oberfläche. Dateien erstellen oder Code ausführen kann Claude dort nicht.
- Die Suche findet ältere Cowork-Aufgaben nicht, nur über ihren Namen in "Recents".
- Gedächtnis aus lokalen Aufgaben, also aus Cowork-Aufgaben, die nur auf dem eigenen Rechner liefen, bleibt bei diesen Aufgaben.
Wie viel Freiheit Claude bekommt
Neu ist ein Schalter direkt im Eingabefeld, der für das ganze Gespräch gilt. Standard ist Manual: Claude fragt vor jeder Aktion. Wer auf Auto umstellt, lässt Claude ohne Rückfrage weiterarbeiten, vor Aktionen laufen dann automatische Sicherheitsprüfungen.
Anthropic schreibt selbst dazu, man solle bei Arbeiten mit echten Folgen, etwa beim Versenden von Nachrichten oder Ändern wichtiger Dateien, dicht dabeibleiben. Das ist kein Kleingedrucktes, sondern der wichtigste Satz für alle, die Claude an Mail, Slack oder Laufwerke angebunden haben. Warum, beschreibt unser Artikel zur Sicherheit von MCP-Connectoren.
Limits und Kosten
Preise ändern sich laut Ankündigung nicht. Aber alles, was man in der neuen Oberfläche tut, zählt auf das Nutzungslimit des Plans, und agentische Aufgaben mit Websuche, Code oder Dateien verbrauchen mehr als eine kurze Frage. Während des Rollouts kann die Nutzung für umgestellte und nicht umgestellte Konten "leicht unterschiedlich" gemessen werden.
Das Timing ist unglücklich: Seit dem 14.09.2026 hat Claude Code 17 Prozent weniger Wochenbudget als in den Monaten davor. Wer jetzt zusätzlich ganze Berichte oder Foliensätze delegiert, sollte unter Settings > Usage ein Auge auf den Verbrauch haben.
Wann es kommt
Der Rollout läuft in den nächsten Wochen schrittweise, zuerst für Pro und Max im Web, auf dem Desktop und mobil. Auch Konten im selben Plan bekommen die Umstellung zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Einschalten muss man nichts. Wer im Eingabefeld noch die Auswahl zwischen "Chat" und "Cowork" sieht, hat die neue Oberfläche noch nicht.
Team und Free folgen "bald". Enterprise-Administratoren bekommen mindestens 30 Tage vor einer Änderung Bescheid und entscheiden selbst, wann sie Docs, Slides und Design freischalten.