Gericht: Pentagon darf Anthropic sperren
Ein US-Berufungsgericht bestätigt die Pentagon-Einstufung von Anthropic als Lieferkettenrisiko. Ein anderes Gericht sah das anders. Was das heißt.
Anthropic hat im Streit mit dem US-Verteidigungsministerium eine Niederlage kassiert. Der Court of Appeals für den District of Columbia hat am 25.09.2026 mit 2 zu 1 Stimmen entschieden, dass das Pentagon Anthropic als Lieferkettenrisiko führen darf. Damit bleibt es dabei: Das Militär nutzt Claude nicht, und Auftragnehmer des Pentagons dürfen Anthropic-Produkte in ihrer Arbeit für das Ministerium nicht einsetzen.
Worum es geht
Die Einstufung stammt aus dem März. Damals waren die Verhandlungen darüber gescheitert, wofür das Militär Claude verwenden darf. Anthropic wollte den Einsatz für tödliche autonome Waffen und für Massenüberwachung von US-Bürgern ausschließen und hat einer Klausel für "alle rechtmäßigen Zwecke" nicht zugestimmt. Im Mai hat das Pentagon dann Verträge mit acht anderen Konzernen für KI in klassifizierten Netzen geschlossen.
Anthropic hat geklagt. Die Firma sieht in der Einstufung eine Vergeltung für ihre Haltung, einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit nach dem ersten Verfassungszusatz und den Missbrauch eines Sicherheitsgesetzes, um das normale Verfahren für die Kündigung von Regierungsaufträgen zu umgehen.
Was das Gericht entschieden hat
Die Mehrheit, Richter Gregory Katsas mit Richterin Neomi Rao, hat alle Einwände zurückgewiesen. Das Ministerium habe genug Anhaltspunkte gehabt, um Claude für militärische Einsätze als unzuverlässig einzustufen. Begründung laut ABC News: die eingebauten Beschränkungen des Modells und der ungelöste Vertragsstreit. In der Urteilsbegründung heißt es, das Unternehmen kodiere Beschränkungen in Claude, die das Modell an Aufgaben hindern, die Anthropic verhindern will.
Richterin Karen LeCraft Henderson hat widersprochen. Aus ihrer Sicht behandelt das Gesetz die ehrliche und offene Durchsetzung von Beschränkungen durch einen Auftragnehmer nicht als die Art von Lieferkettenrisiko, die eine Sperre erlaubt.
Zwei Gerichte, zwei Richtungen
Die Lage ist dadurch nicht klarer geworden. In einem zweiten, parallelen Verfahren in Kalifornien hat Bundesrichterin Rita Lin im August gegen die Regierung entschieden. Sie schrieb, das Vorgehen beruhe auf dem Wunsch, an Anthropic wegen dessen "Arroganz" gegenüber der Regierung ein Exempel zu statuieren, nicht auf einem nachvollziehbaren Grund zur Annahme, Anthropic würde das eigene Modell sabotieren. Dieses Urteil gilt laut ABC News weiter. Die beiden Verfahren betreffen nach Angaben von AP unterschiedliche Rechtsgrundlagen, die das Pentagon für die Einstufung genutzt hat.
Anthropic will nicht aufgeben. Ein anderes Bundesgericht habe die parallele Einstufung bereits für rechtswidrig erklärt, man prüfe alle Optionen, einschließlich einer weiteren Überprüfung, so ein Sprecher. Verteidigungsminister Pete Hegseth feierte das Urteil dagegen auf X. Möglich sind jetzt eine erneute Verhandlung vor dem vollen Gericht oder der Gang zum Supreme Court.
Was das für euch heißt
Für Teams im DACH-Raum ändert das Urteil direkt nichts. Claude bleibt verfügbar, und auch in den USA betrifft die Sperre laut AP nur Arbeit für das Verteidigungsministerium, nicht andere Bundesbehörden. Interessant ist der Fall trotzdem, weil er zeigt, wie politisch die Wahl eines KI-Anbieters inzwischen ist.
Im Kern drehen sich beide Urteile um dieselbe Frage: Darf ein Anbieter festlegen, wofür sein Modell nicht benutzt wird? Wie diese Frage in den USA am Ende beantwortet wird, bestimmt mit, wie viel die Nutzungsrichtlinien der großen Anbieter künftig wert sind.