Claude Sonnet 5.5: fünf Breaking Changes
Anthropic hat Sonnet 5.5 veröffentlicht: schneller, weniger Tokens pro Aufgabe, gleicher Listenpreis. Wer per API umsteigt, muss an fünf Stellen ran.
Eine Woche nach Opus 5.5 hat Anthropic am 28.09.2026 Claude Sonnet 5.5 veröffentlicht. Der Listenpreis bleibt wie bei Sonnet 5. Laut Anthropic braucht das neue Modell aber deutlich weniger Tokens für dieselbe Aufgabe und ist dadurch bis zu 30 Prozent günstiger pro Aufgabe. Außerdem soll es über 30 Prozent schneller antworten. Wer Sonnet per API nutzt, kann trotzdem nicht einfach die Modell-ID tauschen: Anthropic listet fünf Breaking Changes.
Preis und Eckdaten
| Sonnet 5.5 | Opus 5.5 | |
|---|---|---|
| Input (pro 1 Mio. Tokens) | 2 $ | 4 $ |
| Output | 10 $ | 20 $ |
| Cache-Read | 0,20 $ | 0,20 $ |
| Kontextfenster | 1 Mio. Tokens | 1 Mio. Tokens |
| Max. Output | 128.000 Tokens | 128.000 Tokens |
| Standard-Effort in der API | high | medium |
| Wissensstand | Juni 2026 | Juni 2026 |
Preise und Eckdaten laut den Modellseiten von Anthropic, Stand 29.09.2026. Gegenüber Sonnet 5 ändert sich an diesen Werten nur der Wissensstand, der von Januar auf Juni 2026 rückt. Preis, Kontextfenster, Output-Limit und Standard-Effort bleiben gleich. Der Tokenizer ist derselbe wie bei Sonnet 5, gleicher Text ergibt also gleich viele Tokens. Die Ersparnis entsteht nur dadurch, dass das Modell weniger schreibt und weniger nachdenkt. Ob das bei euren Aufgaben auch so ist, zeigt erst ein eigener Test.
Was die Benchmarks sagen
Auf Terminal-Bench 4.0, einem Test für mehrstufige Aufgaben auf der Kommandozeile, kommt Sonnet 5.5 auf 70,6 Prozent. Sonnet 5 lag bei 10,3 Prozent, Opus 5.5 bei 66,4 Prozent. Auf GDPval-AA, einem Test mit Büroaufgaben aus 44 Berufen, liegt es fast gleichauf mit Opus 5.5. Beim Coding-Benchmark FrontierCode bleibt Opus 5.5 klar vorn (54,4 gegen 46,2 Prozent). Alle Zahlen stammen von Anthropic selbst, und der Hersteller schreibt auch gleich dazu, dass Opus 5.5 bei komplexer, offener Arbeit weiterhin deutlich stärker sei.
Eine Warnung, die schon bei Opus 5.5 galt, trifft auch hier zu: Simon Willison hat Sonnet 5.5 mit dem Effort "max" eine einfache Aufgabe gegeben. Das Modell verbrauchte das volle Limit von 128.000 Output-Tokens (1,28 Dollar) und lieferte keine Antwort. Mit "xhigh" klappte dieselbe Aufgabe in 41 Sekunden für knapp 6 Cent.
Die fünf Breaking Changes
Wer von Sonnet 5 kommt, bekommt an diesen Stellen einen Fehler 400:
- Thinking abschalten geht anders.
thinking: {"type": "disabled"}wird abgelehnt. Die niedrigste Stufe heißt jetztbetween_tools: kein Nachdenken vor der Antwort, nur kurze Zwischenstände zwischen Tool-Aufrufen. Sie funktioniert nur bis Efforthigh, beixhighundmaxgibt es wieder einen Fehler. - Kein erzwungener Tool-Aufruf mehr.
tool_choicemitanyodertoolwird abgelehnt, auch beim Token-Zählen. Stattdessenautomitstrict: truenutzen und im Prompt sagen, wann das Tool dran ist. - Thinking-Blöcke sind an Modell und Verlauf gebunden. Wer frühere Nachrichten im Verlauf nachträglich ändert und dann alte Thinking-Blöcke mitschickt, bekommt einen Fehler. Das gilt standardmäßig für Accounts, die ab dem 31.08.2026 angelegt wurden. Die Empfehlung ist, Verläufe nur noch fortzuschreiben und Anweisungen über System-Nachrichten mitten im Gespräch zu ändern. Außerdem funktionieren die Blöcke nur im Account, der sie erzeugt hat.
- Computer Use braucht das neue Toolset. Auf der Claude API und bei Google Cloud wird
computer_20251124abgelehnt, nötig istcomputer_toolset_20260801. Bei Amazon Bedrock geht das alte Tool noch. - Weniger Berater-Modelle. Das Advisor-Tool akzeptiert Opus 4.8, Opus 4.7 und Sonnet 5 nicht mehr als Berater.
Dazu kommt eine Änderung ohne Fehlermeldung: Längere Notizen, die das Modell zwischen Tool-Aufrufen schreibt, kommen jetzt als Thinking-Block zurück, standardmäßig leer. Eine Oberfläche, die diese Zwischenstände anzeigt, wird also still. Abhilfe schafft der Parameter display oder between_tools.
Außerdem werden die Effort-Stufen neu kalibriert. Eine Einstellung, die bei Sonnet 5 gepasst hat, erzeugt bei 5.5 nicht dieselbe Menge Denkarbeit. Anthropic empfiehlt, die Einstellungen neu durchzutesten. Für Agenten und Coding mit klarer Aufgabe soll man bei medium starten. Für den Umstieg liefert Anthropic in Claude Code einen Befehl mit, /claude-api migrate, der die Änderungen im Code vornimmt und eine Checkliste für den Rest erzeugt. Die vollständige Liste steht im Migration Guide.
Mehr Ablehnungen, auch bei Security-Themen
Sonnet 5.5 ist das erste Sonnet-Modell mit denselben Cyber-Schutzmechanismen wie die großen Modelle, weil seine Security-Fähigkeiten laut Anthropic auf dem Niveau von Opus 5 liegen. Eine Ablehnung kommt als stop_reason: "refusal" mit einer Kategorie zurück, etwa cyber oder reasoning_extraction. Die zweite greift, wenn man das Modell bittet, sein internes Nachdenken in die Antwort zu schreiben. Ein serverseitiger Fallback (Beta, nur Claude API) schickt Anfragen der Kategorie cyber automatisch an Sonnet 5 weiter. Wer mit Claude Sicherheitsanalysen macht, sollte das testen und bei Bedarf das Cyber Verification Program beantragen.
Verfügbarkeit und Datenschutz
In der API heißt das Modell claude-sonnet-5-5, bei Amazon Bedrock anthropic.claude-sonnet-5-5, außerdem läuft es bei Google Cloud und in Microsoft Foundry. Anthropic sagt zu, es nicht vor dem 28.09.2027 abzuschalten. Wie die Vorgänger gibt es Sonnet 5.5 mit Zero Data Retention. An der Frage der EU-Datenresidenz ändert das neue Modell nichts.
In Claude Code und den Claude-Apps steht der Effort standardmäßig auf medium. Laut Simon Willison läuft die kostenlose Stufe von claude.ai jetzt auf Sonnet 5.5. Anthropics Preisseite nennt für den Free-Plan nur allgemein "Sonnet". Haiku 5.5 soll in den kommenden Wochen folgen.
Umstieg und Modellwahl
Umsteigen lohnt sich. Aber nicht ohne Testrunde. Die meisten Integrationen scheitern an genau einer Stelle: abgeschaltetes Thinking oder erzwungene Tool-Aufrufe. Beides ist schnell geändert, fällt aber erst im Betrieb auf, wenn niemand vorher testet. Die Kosten solltet ihr danach neu messen, statt die 30 Prozent aus der Ankündigung einzuplanen.
Für die Modellwahl wird es enger: Sonnet 5.5 kostet die Hälfte von Opus 5.5 und liegt in mehreren Benchmarks nah dran. Für Routinearbeit wie Bugfixes, Dokumente und klar umrissene Coding-Aufgaben lohnt sich der Vergleich. Wie man das mit einem Modellrouter aufteilt, haben wir separat beschrieben.
Quellen6
- Anthropic: Introducing Claude Sonnet 5.5 (Primärquelle, 28.09.2026)anthropic.com
- Anthropic Docs: Claude Sonnet 5.5, Modellseite (abgerufen 29.09.2026)platform.claude.com
- Anthropic Docs: What's new in Claude Sonnet 5.5 (abgerufen 29.09.2026)platform.claude.com
- Anthropic Docs: Migrating to Claude Sonnet 5.5 (abgerufen 29.09.2026)platform.claude.com
- Claude: Pläne und Preise (abgerufen 29.09.2026)claude.com
- Simon Willison: Claude Sonnet 5.5 (28.09.2026)simonwillison.net