USA verbannen DeepSeek aus allen Bundesbehörden

Eine DHS-Anordnung wirft DeepSeek aus der zivilen US-Verwaltung, samt Produkten, die damit entwickelt wurden. Was das für Self-Hosting in Europa heißt.

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Das US-Heimatschutzministerium (DHS) hat DeepSeek aus der gesamten zivilen Bundesverwaltung verbannt. Die Anordnung ist seit dem 20.10.2026 im Federal Register veröffentlicht. Unterschrieben hat sie Heimatschutzminister Markwayne Mullin bereits am 24.07.2026, als "Exclusion and Removal Order #2026-01". Rechtsgrundlage ist der Federal Acquisition Supply Chain Security Act von 2018, der Ausschlüsse aus Beschaffung und IT der Bundesbehörden erlaubt.

Dass einzelne US-Behörden die DeepSeek-App sperren, gibt es seit 2025. Neu ist, wie weit dieser Text greift.

Was die Anordnung verlangt

Zivile Bundesbehörden müssen zwei Dinge tun:

  1. DeepSeek von Beschaffungen ausschließen. Das gilt für DeepSeek selbst, verbundene Unternehmen und deren Produkte, ab sofort, auch auf Produktlisten und in Beschaffungsportalen.
  2. Vorhandene Produkte entfernen. Gemeint sind Produkte von DeepSeek und verbundenen Firmen und zusätzlich "third-party products and services developed using DeepSeek implementations".

Ausgenommen sind das Verteidigungsministerium, Geheimdienste und Systeme für Verschlusssachen, für die andere Stellen zuständig sind. Behörden können binnen 60 Tagen schriftlich Ausnahmen oder Aufschub beantragen, mit "compelling justification". Bis zur vollständigen Entfernung sollen sie den Datenverkehr überwachen und Datenabfluss kontrollieren.

Die Begründung

Das DHS nennt vor allem Risiken, die am Dienst von DeepSeek hängen: Die Server stehen in China, dortiges Recht gebe Behörden weitgehenden Zugriff auf Firmeninfrastruktur. Bei den von DeepSeek gehosteten Modellen sammle schon die Kontoerstellung personenbezogene Daten, und wer der App etwas schreibt, schickt die Daten nach China. Zum Modell selbst steht in der Begründung nur ein Satz: Die Modelle "may contain malware or other security vulnerabilities". Als Beleg dient eine Analyse der iOS-App aus dem Februar 2025.

Der strittige Halbsatz

Katie Moussouris, Gründerin von Luta Security, hält die Sperre von App und API gegenüber The Register für umsetzbar. Das Problem sei der Teil über Drittprodukte: "The order doesn't say what 'developed using' means." Der Wortlaut könne jedes von DeepSeek abgeleitete Modell erfassen und sogar Software, bei deren Entwicklung jemand DeepSeek zum Schreiben oder Testen von Code genutzt habe. Jeder Anbieter müsste dann versichern, dass nichts in seiner Lieferkette je DeepSeek berührt hat. Prüfen lasse sich das nicht.

Sie weist auch darauf hin, dass die genannten Risiken vor allem den Datenfluss zu DeepSeeks Servern betreffen. Hosting in den USA würde die meisten davon vermeiden. Die Anordnung unterscheidet aber nicht danach, wo ein Modell läuft.

Was das für Teams in Europa heißt

Direkt betrifft dich die Anordnung nur, wenn du an US-Bundesbehörden lieferst. Dann solltest du jetzt prüfen, ob irgendwo in deinem Produkt ein DeepSeek-Modell oder eine Ableitung steckt, auch als Fallback in einem Model-Router oder als Basis eines feinabgestimmten Modells. Weil "developed using" nicht definiert ist, gehört auch die Frage dazu, welche Coding-Tools mit welchen Modellen im Team laufen.

Für alle anderen ist die Anordnung ein Hinweis darauf, wohin sich Beschaffungsregeln bewegen. Bisher drehte sich die Debatte um die Herkunft eines Dienstes, also wohin die Daten fließen. Dieser Text fragt nach der Herkunft eines Modells, unabhängig davon, wo es läuft. Wer chinesische Open-Weight-Modelle wie DeepSeek, Qwen oder Kimi selbst hostet, weil die Daten dann im eigenen Rechenzentrum bleiben, hat datenschutzrechtlich ein gutes Argument. In Ausschreibungen mit US-Bezug zählt es nach diesem Muster aber nicht mehr.

Für Europa gibt es bisher keine vergleichbare Regel. Eine Inventarliste, welches Modell in welchem Produkt steckt und woher es stammt, kostet wenig und hilft bei jeder künftigen Beschaffungsfrage. Wie sich offene Gewichte auf die Souveränität auswirken und wo der Gewinn kleiner ist als gedacht, steht in Offene Gewichte: Souveränität auf dem Papier. Die Vorgeschichte in Washington beschreibt unsere News vom Juli zum Industriebrief gegen ein Verbot offener Modelle.

Quellen3