Entire öffnet Forge: Trails statt Pull Requests

Thomas Dohmkes Entire hostet jetzt Repos und ersetzt den Pull Request durch Agenten-Bewertungen. Was es kostet und was Teams vor dem Test klären sollten.

5 Min. Lesezeit

Im Juli war Entire noch ein Spiegel für GitHub-Repos mit Warteliste, dazu ein Log der Agenten-Sessions neben jedem Commit. Wir haben damals vor allem auf dieses Log geschaut. Seit dem 26.10.2026 ist das Start-up des früheren GitHub-Chefs Thomas Dohmke eine vollständige Code-Plattform: Repositories liegen direkt dort, der Pull Request heißt jetzt Trail, und alle können sich anmelden. Laut heise läuft das Ganze noch als Preview.

Was ein Trail anders macht

Im Launch-Beitrag begründet Dohmke den Umbau so: Wenn Coding-Agenten und Review-Agenten sich gegenseitig kommentieren, wird die Zeitleiste eines Pull Requests zu einem Protokoll, das nur noch Agenten lesen. Wer entscheiden muss, ob gemergt wird, findet darin nichts mehr.

Ein Trail stellt deshalb Bewertungen nach oben. Bei jedem Push prüfen mehrere Review-Agenten den Stand unabhängig voneinander und vergeben je eine Punktzahl mit Begründung. Entire selbst nutzt in vielen Repos die Bewertungen "Security", "Slop" und "Human Review Required". Angezeigt werden der aktuelle Lauf und die fünf davor, damit man sieht, ob sich die Werte stabilisieren. Die Agenten melden außerdem einzelne Befunde mit Schweregrad. Erst wenn die erledigt oder begründet verworfen sind, soll gemergt werden.

Pro Repository lassen sich Gates festlegen, also Bedingungen vor dem Merge: offene Befunde, grüne CI, menschliche Freigaben. Ein Trail kann mehrere Repositories umfassen, und er funktioniert auch auf einem gespiegelten GitHub-Repo über einem normalen Pull Request. Eigene Review-Agenten konfiguriert man in der Oberfläche oder als JSON im Repo. Unter der Haube laufen laut Entire Claude Code und Codex in Cloud-Sandboxen von Daytona und E2B.

Für CI gibt es zum Start Anbindungen an Buildkite und Depot. Beide bringen Befehle mit, die bestehende GitHub-Actions-Workflows übernehmen sollen.

Hosting und Gedächtnis

Repos lassen sich direkt bei Entire anlegen oder weiter von GitHub spiegeln. Beim Anlegen wählt man eine Hauptregion und optional weitere Regionen als Kopie. Verfügbar sind USA, EU, Australien, Indien und seit heute auch Großbritannien. Die Startseite nennt für die EU Frankfurt. Pushes sollen bis zu 89-mal schneller sein als bei GitHub. Das Benchmark-Werkzeug dafür ist Open Source, die Messungen stammen aber von Entire selbst.

Das Session-Log aus dem Sommer heißt jetzt "Continuous Memory". Zwei Open-Source-Erweiterungen für die Entire-CLI bauen daraus ein Gedächtnis für Agenten: entire-graph kartiert lokal die Struktur des Codes, entire-brain hängt die bisherigen Sessions daran. Ein Agent soll damit nachlesen können, warum eine Stelle so aussieht und was beim letzten Umbau kaputtgegangen ist. Optional landet dieses Gedächtnis zentral bei Entire, damit das ganze Team darauf zugreift.

Was es kostet

Hosting, Trails und die vorkonfigurierten Runner sind kostenlos. Laut Abrechnungsdoku bezahlt man nur die Modell-Tokens der Review-Agenten, und zwar im Voraus über Guthaben. Jedes Konto bekommt einmalig 100 US-Dollar Startguthaben, ohne Kreditkarte, gültig 90 Tage. Ist das Guthaben leer, bleiben die Agenten stehen, der Rest läuft weiter. Ob die Plattform nach der Preview kostenlos bleibt, sagt Entire nicht.

Für die Kalkulation heißt das: Die laufenden Kosten hängen davon ab, wie viele Agenten bei jedem Push anspringen und wie oft gepusht wird. Wer Trails ausprobiert, sollte das in den ersten Wochen mitzählen.

Was vor dem Test geklärt sein sollte

Wo die Prompts landen. Die Sessions liegen als Checkpoints im eigenen Repository, nicht in einem separaten Dienst. Das ist nachvollziehbar gelöst, hat aber eine Folge, die die Sicherheitsdoku klar ausspricht: Wer das Repo lesen kann, liest auch alle Prompts und Antworten. Bei einem öffentlichen Repo sind sie öffentlich. Entire schwärzt Secrets, Zugangsdaten und optional personenbezogene Daten vor dem Schreiben, nennt das aber selbst nur ein Sicherheitsnetz. Für Kundendaten und regulierte Inhalte empfiehlt der Hersteller private Repositories.

Wer den Code noch sieht. Die Review-Agenten laufen mit Claude Code und Codex in fremden Sandboxen. Wer Trails einschaltet, gibt den Code also über Entire hinaus an weitere Dienstleister. Das gehört in die Liste der Unterauftragnehmer.

Was vertraglich gilt. Vertragspartner ist die Entire Inc mit Sitz in Delaware. Die Datenschutzerklärung vom 06.07.2026 sagt, Daten aus dem EWR sollen möglichst im EWR verarbeitet werden, und nennt Standardvertragsklauseln für Übermittlungen. Ein Standardvertrag zur Auftragsverarbeitung ist nicht verlinkt, Anfragen dazu gehen an legal@entire.io. Die Regionswahl regelt, wo die Repos liegen. Für Analyse und Monitoring nennt die Erklärung zusätzlich Dienste wie PostHog und Datadog.

Ein Test mit einem unkritischen Repo kostet nichts außer Zeit, und die Idee hinter Trails lohnt den Blick: Wer heute Agenten-Reviews in Pull Requests stapelt, kennt das Problem, das Dohmke beschreibt. Für Code mit Kundenbezug würden wir aber erst den AVV anfragen und klären, welche Daten an die Sandbox-Anbieter gehen.

Quellen6