Gemini 4 Carbon: erst für Cyber-Verteidiger

Google stellt zwei Wochen nach Argon sein nächstes Spitzenmodell vor. Carbon geht zuerst an Cyber-Verteidiger, Entwicklungsteams müssen warten.

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Am 13.10.2026 hat Google Gemini 4 Argon für alle freigegeben. Gestern, am 28.10., kam schon der Nachfolger: Gemini 4 Carbon, laut Google das bisher stärkste Modell des Hauses, gebaut für lange Agenten-Aufgaben und für Cybersicherheit. Nutzen können es vorerst aber nur wenige.

Wer Carbon bekommt

Ab dieser Woche geht Carbon an "a subset of cyber defenders", also eine Auswahl von Sicherheitsteams. Danach erweitert Google den Kreis schrittweise über sein Fairwind-Programm. Entwickler, Unternehmen und Endkunden sollen Carbon "as soon as possible" bekommen. Ein Datum nennt Google nicht, auch keine Angaben zu Kontextfenster, Regionen oder EU-Verfügbarkeit.

Fairwind richtet sich laut Google an Regierungen und nationale Cyberbehörden, Betreiber kritischer Infrastruktur wie Gesundheit, Telekommunikation, Energie und Finanzen sowie große Technologieplattformen. Das Programm hat nach eigenen Angaben über 650 Partner. Wer rein will, bewirbt sich per Formular und durchläuft eine Hintergrundprüfung. Die Auflagen sind streng: Zugriff nur für interne Security-, Incident-Response- oder Pentest-Teams, phishing-resistente Mehrfaktor-Anmeldung, Protokollierung der Nutzung, kein Weitergeben des Zugangs.

Als Begründung nennt Google einen bewusst vorsichtigen Rollout. Man beteilige sich am freiwilligen Vorabtest neuer Modelle durch die US-Regierung und wolle die Schutzmechanismen weiter anpassen, bevor Carbon breit verfügbar wird. Auf der Fairwind-Seite wird Google deutlicher: Dieselben Fähigkeiten, die Verteidigern helfen, Lücken zu finden und zu schließen, können in falschen Händen zur Bedrohung werden.

Was Google verspricht

Die Zahlen stammen alle von Google selbst:

BenchmarkWas er misstCarbon
Artificial Analysis Intelligence Index v5.0GesamtleistungPlatz 1, 59 Punkte
SEC-bench ProSchwachstellen finden88,2 %
ExploitGymAusnutzbarkeit prüfen54,8 %
CWE-benchLücken patchen71,0 %
Gray Swan Indirect Prompt InjectionErfolgsrate von Angriffen0,0 % (Argon: 0,7 %)

Bei den drei Sicherheits-Benchmarks steht ein wichtiger Zusatz: Sie wurden ohne die Schutzmechanismen gemessen, die Google später im Produkt einsetzt. Und die 0,0 Prozent bei Prompt Injection bedeuten, dass Carbon alle getesteten Angriffe dieses Benchmarks abgewehrt hat. Für eigene Agenten-Setups heißt das nicht, dass man auf Schutzmaßnahmen verzichten kann.

Für Coding-Teams interessanter sind die Aussagen zum Verhalten. Carbon soll in Googles eigenen Teams tagelang an komplexen Aufgaben arbeiten, etwa beim Eingrenzen subtiler Fehler in großen Codebasen. Google gibt an, dass Carbon bei Terminal-Bench 4.0 in 0,0 Prozent der Fälle erfolgreich geschummelt hat, dass schwere Fehlverhalten-Alarme intern um fast 80 Prozent zurückgingen und dass das Modell etwa halb so oft unbelegte Behauptungen aufstellt wie Argon. Überprüfen lässt sich davon von außen nichts, solange niemand außerhalb des Programms das Modell testen kann.

Preis

Carbon startet zum gleichen Einführungspreis wie Argon: 2 Dollar pro Million Input-Token und 10 Dollar pro Million Output-Token, gecachte Eingaben 95 Prozent günstiger. Danach gelten 4 und 20 Dollar. Bei Argon endet die Einführungsphase am 30.11.2026, für Carbon nennt Google kein Enddatum.

Was das für euch heißt

Für die meisten Entwicklungsteams ändert sich erst einmal nichts. Wer heute ein Gemini-Modell der vierten Generation nutzen will, nimmt Argon, das über die Gemini API, AI Studio und die Gemini-App verfügbar ist. Wer Argon gerade evaluiert, sollte im Kopf behalten, dass der Einführungspreis Ende November ausläuft und sich die Kosten dann verdoppeln.

Fairwind ist für eine kleine Gruppe hierzulande interessant: Betreiber kritischer Infrastruktur und Sicherheitsteams großer Plattformen. Wer dazugehört, kann sich bewerben. Dann sollte vorher geklärt sein, wie Datenschutz und Auftragsverarbeitung geregelt sind. Google bietet laut FAQ für Fairwind-Partner Zero Data Retention an, wenn das Modell direkt als Managed Model genutzt wird.

Das Muster selbst ist nicht neu. Anthropic hat sein Mythos-Modell mit gelockerten Schranken auf die Partner von Project Glasswing beschränkt. Und bei Argon lief es genauso: Wiz hat die php2shell-Lücken schon am 19.08.2026 mit Argon gefunden, fast zwei Monate vor der allgemeinen Freigabe. Die großen Labore geben ihre stärksten Modelle inzwischen zuerst an Verteidiger und erst danach an alle anderen. Für Teams heißt das: Zwischen Ankündigung und dem Tag, an dem man selbst damit arbeiten kann, können Wochen liegen. In die Planung gehört deshalb das Modell, das ihr heute aufrufen könnt.

Quellen3