Gemini trainiert mit deinen Chats, auch im Abo
Google nutzt Gemini-Chatverläufe standardmäßig für Modelltraining. Das gilt auch für zahlende Privatnutzer. Enterprise ist ausgenommen.
Googles eigene Hilfeseiten bestätigen, was ein Hacker-News-Beitrag vom 04.11.2026 (656 Punkte) bemängelt: Wer Gemini als Privatperson nutzt, dessen Chatverläufe fließen standardmäßig ins Modelltraining. Das gilt auch für zahlende Abonnenten.
Was Google mit Gemini-Chats macht
Laut dem Gemini Apps Privacy Hub sammelt Google Prompts, hochgeladene Dateien, generierte Inhalte, Denkschritte und Zusammenfassungen. Dazu kommen Daten aus verbundenen Apps, Browser-Kontext und Standortinformationen.
Google schreibt klar: Die erhobenen Daten werden "zur Verbesserung der Dienste einschließlich des Trainings generativer KI-Modelle" verwendet. Eine Auswahl der Chats wird von menschlichen Reviewern gelesen, die Qualität, Genauigkeit und Sicherheit bewerten. Google empfiehlt deshalb selbst: "Please don't enter confidential information that you wouldn't want a reviewer to see."
Der Aktivitäts-Schalter
Die Steuerung läuft über den Schalter "Gemini Apps Activity" in den Einstellungen:
- An (Standard): Chats werden gespeichert und für Training und Verbesserung genutzt, inklusive Auswahl durch menschliche Reviewer. Die automatische Löschfrist steht auf 18 Monaten, kann auf 3 oder 36 Monate geändert werden. Von Reviewern gelesene Chats bleiben bis zu drei Jahre gespeichert, auch nach manueller Löschung.
- Aus: Neue Chats landen nicht mehr in der Aktivität und werden nicht zum Modelltraining genutzt. Sie bleiben aber 72 Stunden gespeichert und können in dieser Zeit "mit Hilfe menschlicher Reviewer" genutzt werden, etwa zum Schutz der Plattform. Außerdem fallen bei ausgeschalteter Aktivität einige verbundene Apps weg.
Ein Detail, das leicht untergeht: Google trennt davon die "Verarbeitung von Chats zur Erstellung anonymisierter Daten zur Verbesserung von Google-Diensten". Die findet laut Privacy Hub unabhängig von der Aktivitäts-Einstellung statt. Auch wer den Schalter ausschaltet, liefert also weiterhin anonymisierte Daten.
Wer ist betroffen, wer nicht?
- Privatnutzer (kostenlos und Abo): Betroffen. Der Schalter steht standardmäßig auf "an".
- Google Workspace / Enterprise: Nicht betroffen. Für Geschäftskonten gelten eigene Bedingungen, die Workspace Privacy Hub regelt die Details separat.
Für Werbung werden die Chats laut Google nicht genutzt.
Was das für DACH-Teams heißt
Wer Gemini über einen privaten Account nutzt und dabei berufliche Inhalte eingibt, sollte wissen: Diese Daten fließen in Googles Modelltraining, werden potenziell von Menschen gelesen und bis zu drei Jahre gespeichert. In der Praxis betrifft das auch Teams, in denen einzelne Mitglieder Gemini privat nutzen, weil der Arbeitgeber keinen Enterprise-Zugang bereitstellt.
Was du tun kannst:
- Aktivitäts-Einstellung prüfen: myactivity.google.com/product/gemini
- Für berufliche Nutzung: Workspace- oder Enterprise-Zugang nutzen, nicht private Accounts
- Keine vertraulichen Daten in Gemini-Chats eingeben, solange der Aktivitäts-Schalter an ist
Einen breiteren Überblick über DSGVO-Pflichten beim Einsatz von KI-Tools gibt unser Artikel DSGVO und KI-Tools: Was Teams wissen müssen.