Vibe Coding: Was steckt dahinter?

Vibe Coding ist Collins Dictionary Word of the Year 2025. Was es bedeutet, welche Tools es ermöglichen und wann es taugt.

Ein Tweet, der eine Bewegung auslöste

Am 2. Februar 2025 postete Andrej Karpathy (Ex-Head of AI bei Tesla, Mitgründer von OpenAI) einen Tweet, der über 4,5 Millionen Views bekam:

"There's a new kind of coding I call 'vibe coding', where you fully give in to the vibes, embrace exponentials, and forget that the code even exists."

Er beschrieb, wie er mit Cursor und Spracheingabe Software baut, ohne den Code zu lesen. "Accept All" bei jedem Vorschlag. Fehlermeldungen einfach in den Chat kopieren. Wenn ein Bug nicht wegging, drumherum arbeiten oder zufällige Änderungen probieren, bis er verschwindet.

Karpathy selbst sah das als Spielerei für Wochenendprojekte. Das Internet machte eine Bewegung daraus. Im November 2025 wählte Collins Dictionary "Vibe Coding" zum Word of the Year.

Was Vibe Coding tatsächlich bedeutet

Im Kern: Software bauen, indem du in natürlicher Sprache beschreibst, was du willst, und eine KI den Code generiert. Ohne den Code zu lesen, zu verstehen oder manuell zu ändern.

Was es NICHT ist: Jede Form von KI-gestütztem Programmieren. Simon Willison (Django-Mitgründer) hat das treffend formuliert: "If an LLM wrote the code for you, and you then reviewed it, tested it thoroughly and made sure you could explain how it works - that's not vibe coding, it's software development."

Diese Unterscheidung ist wichtig. Viele verwenden den Begriff inzwischen für alles was mit KI und Code zu tun hat. Das verwässert sowohl den Begriff als auch die Erwartungen.

Wo stehen wir im März 2026?

Die Zahlen sind beeindruckend:

  • 41 % des weltweit geschriebenen Codes ist KI-generiert
  • 95 % der Entwickler nutzen KI-Tools mindestens wöchentlich
  • 63 % der aktiven Vibe-Coding-Nutzer sind Nicht-Entwickler
  • 25 % der Y-Combinator-Startups (Winter 2025) haben eine zu 95 %+ KI-generierte Codebasis
  • iOS-App-Veröffentlichungen stiegen Ende 2025 um rund 60 %

Karpathy selbst hat den Begriff weiterentwickelt. Im Februar 2026 führte er "Agentic Engineering" ein: Du schreibst nicht mehr selbst Code, sondern orchestrierst Agents und übernimmst die Aufsicht. Der Unterschied zu Vibe Coding: Du verstehst was passiert.

Selbst Linus Torvalds hat Vibe Coding ausprobiert. Er nutzte Google Antigravity für ein Python-Audioprojekt und kommentierte: Er sei OK mit Vibe Coding "as long as it's not used for anything that matters."

Welche Tools ermöglichen Vibe Coding?

Für Entwickler

ToolAnsatzAb
CursorKI-native IDE, versteht ganze Codebases$20/Monat
Claude CodeTerminal-Agent, führend bei Coding-BenchmarksMax-Abo oder API
GitHub CopilotPlugin für VS Code/JetBrains$10/Monat

Diese Tools sind stark, aber du brauchst Entwickler-Grundlagen um die Ergebnisse einzuschätzen.

Für Nicht-Entwickler

ToolAnsatzAb
LovableBeschreibe eine App, bekomme eine AppKostenlos
bolt.newOpen-Source App Builder im BrowserKostenlos
v0UI-Komponenten aus Textbeschreibung (Vercel)Kostenlos
Replit AgentCode, Datenbank, Auth und Hosting aus einer Hand$25/Monat

Hier wird es für Product Owner und Designer interessant: Prototypen bauen, ohne auf ein Entwicklungsteam zu warten.

Was lässt sich realistisch bauen?

Gut funktioniert:

  • Interne Tools und Dashboards
  • Prototypen und MVPs
  • Landing Pages und Marketing-Seiten
  • Automatisierungen und Scripts
  • Datenvisualisierungen

Problematisch wird es bei:

  • Sicherheitskritischen Anwendungen (Zahlungsabwicklung, Gesundheitsdaten)
  • Langlebiger Software die gewartet werden muss
  • Komplexen Architekturen mit vielen Abhängigkeiten
  • Allem wo Bugs teuer werden

Das Grundproblem: Wenn du den Code nicht verstehst, kannst du Fehler nicht erkennen. Bei einem internen Dashboard ist das akzeptabel. Bei einer Anwendung mit Kundendaten nicht.

Die ehrliche Einordnung

Vibe Coding demokratisiert Software-Erstellung. Mehr Menschen können mehr bauen. Das ist gut. Aber es ersetzt keine Softwareentwicklung.

Die nützlichste Perspektive: Vibe Coding ist ein Werkzeug für Prototypen und einfache Tools. Sobald etwas in Produktion geht, Nutzer hat oder Daten verarbeitet, brauchst du jemanden der den Code versteht. Das kann ein Entwickler sein, der den Vibe-Code reviewed. Oder du lernst genug, um die kritischen Stellen selbst zu beurteilen.

Grundsätzlich gilt: Egal ob du den Code selbst schreibst oder eine KI ihn generiert, die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei dir. "Accept All" klicken heißt nicht, dass die KI haftet.

Für Entwickler: Vibe Coding kann euren Workflow beschleunigen, solange ihr den Code versteht. "Accept All" ohne Review ist für Wegwerfprojekte okay, aber nicht für Produktionscode. Der eigentliche Wert liegt in der schnellen Exploration: Ideen in Minuten statt Stunden prototypen, dann sauber implementieren.

Quellen