Infostealer VOLTA lässt Claude Beute bewerten

Der Windows-Infostealer VOLTA schickt gestohlene Daten an Claude Opus 4.6 und lässt sich ausrechnen, was ein Opfer wert ist. Was Teams daraus mitnehmen.

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Ein Infostealer, der Passwörter und Cookies stiehlt, ist nichts Neues. VOLTA macht einen Schritt mehr: Er schickt die gesammelten Daten an ein Sprachmodell und lässt sich eine Einschätzung schreiben, wie viel das Opfer wert ist und wie man es am besten ausnimmt. Ryan Fetterman von Cisco Talos hat die Schadsoftware am 31.10.2026 analysiert. Gesichtet wurde die Probe laut Talos erstmals am 11.10.2026.

Was VOLTA stiehlt

VOLTA läuft unter Windows und greift ab, was ein Infostealer heute so abgreift: gespeicherte Browser-Passwörter, Cookies, Zahlungskarten, Seed-Phrasen von Krypto-Wallets und Sitzungen von Discord, Telegram, Steam und Roblox. Für Entwicklerteams wichtiger sind drei weitere Posten: Microsoft-OAuth-Tokens, SSH-Schlüssel und Konfigurationsdateien von Cloud-Anbietern wie gcloud.

Die gestohlenen Sitzungen nutzt VOLTA gleich weiter. Er durchsucht etwa das Gmail-Konto nach Bestellbestätigungen, um die Wohnadresse zu bestätigen, und reichert das Profil mit Arbeitgeber, Slack-Workspaces und Bestellverläufen an. Danach löscht er sich selbst, eigene Server der Angreifer gibt es laut Talos nicht. Die Ergebnisse landen im Telegram-Postfach des Kunden.

Die Rolle des Sprachmodells

Am Ende packt VOLTA alles in einen JSON-Bericht und schickt ihn über OpenRouter an ein Sprachmodell. Der Systemprompt lässt das Modell als "forensischen Analysten" eine Zielbewertung schreiben, mit einem Abschnitt "WHAT THEY'RE WORTH", der die Beute nach Verwertbarkeit sortiert, und einem Abschnitt "THEIR OPSEC" zur Sicherheitshygiene des Opfers.

Voreingestellt ist anthropic/claude-opus-4.6. Verweigert das Modell, erkennt VOLTA das an typischen Ablehnungsformeln und fragt der Reihe nach Kimi K2 und Gemini 2.5 Flash. Ohne API-Schlüssel läuft der Stealer auch ohne diesen Schritt. Talos geht davon aus, dass VOLTA als Baukasten verkauft wird: Kunden tragen ihre Werte in sechs Vorlagenfelder ein und bekommen eine eigene Datei gebaut. Verschlüsselt sind diese Felder mit einem Schlüssel, der aus zwei Konstanten im selben Programm berechnet wird, für Talos also praktisch gar nicht: "Anyone who reverses the file can recover them."

Ob OpenRouter oder Anthropic die verwendeten Schlüssel gesperrt haben, steht im Bericht nicht.

Was Teams daraus mitnehmen

Neue Angriffswege bringt das Sprachmodell nicht. Es spart den Käufern des Stealers aber die Sichtung der Beute und macht damit auch kleine Fänge lohnend. Das Argument "auf meinem Rechner gibt es nichts zu holen" trägt dadurch noch weniger als vorher. Die gute Nachricht: Die bekannten Schutzmaßnahmen gegen Infostealer wirken unverändert.

Talos empfiehlt konkret:

  • Per Application Control festlegen, welche Prozesse Chrome mit --headless starten dürfen, und Alarm schlagen, wenn ein unbekannter Prozess das tut. Darüber umgeht VOLTA Chromes App-Bound Encryption.
  • Zugangsdaten in hardwaregestützten Speichern ablegen, nicht als Datei auf der Platte.
  • Nach einem Verdacht %APPDATA%\volta_debug.txt sichern, das Protokoll bleibt auch nach der Selbstlöschung liegen. Danach Tokens widerrufen und Passwörter ändern.

Für Entwicklerrechner heißt das vor allem: SSH-Schlüssel mit Passphrase oder auf einem Hardware-Token, Cloud-Zugänge mit kurzlebigen Tokens statt dauerhafter Schlüssel in ~/.config. Wie VOLTA auf die Rechner kommt, hat Talos nicht beschrieben.

Quellen2