Desktop-Agent-Woche: Perplexity und OpenAI im Vergleich
Am 16. April öffnet Perplexity Personal Computer für Pro-Abos. OpenAI zieht Codex Desktop Computer Use nach, sperrt DACH-Teams aber aus.
Der 16. April 2026 war für Desktop-Agenten ein kleiner Stichtag. Zwei große Anbieter haben am gleichen Tag nachgelegt und die Frage, wer den Agenten auf dem eigenen Rechner laufen lässt, konkreter gemacht. Desktop-Agenten sind eine Spielart von Agentic AI, und die Launches dieser Woche zeigen: Das Rennen ist nicht mehr Experiment, sondern Produkt.
Perplexity hat seinen "Personal Computer" für alle Max-Abonnenten freigeschaltet und kurz darauf auch für den günstigeren Pro-Plan geöffnet. OpenAI hat beim Codex-Desktop-App "Computer Use" für Mac und Windows nachgezogen. Beide greifen tief in den lokalen Rechner, und beide haben ihre eigenen Haken.
Perplexity Personal Computer
Personal Computer integriert sich in die Perplexity-Mac-App und orchestriert Tasks quer über das System. Im Gegensatz zu reinen Browser-Agenten greift das Tool tief in die lokale Umgebung ein.
- Lokale Dateien: Suchen, Lesen und Schreiben in beliebigen Ordnern. Berechtigungen werden pro Ordner erteilt.
- Native Mac-Apps: Zugriff auf iMessage, Apple Mail, Calendar und weitere Standard-Apps.
- Browser-Aufgaben: Perplexity-typische Deep-Research-Workflows, die in mehreren Schritten über das Web navigieren.
- Mobile-Trigger: Tasks lassen sich vom iPhone starten und laufen dann autonom auf dem Mac weiter, Authentifizierung per 2FA.
Perplexity empfiehlt für den Dauerbetrieb einen Mac mini als Always-On-Station. Die Idee: Der Agent läuft 24/7 im Hintergrund, erledigt längere Recherche- und Organisationsaufgaben, und liefert Ergebnisse in den Mac-Apps ab, die der Nutzer ohnehin offen hat. Voraussetzung ist macOS 14 Sonoma oder neuer.
Zum Launch am 16. April war Personal Computer nur für Perplexity Max (200 US-Dollar im Monat) verfügbar. Inzwischen ist der Agent auch im deutlich günstigeren Perplexity Pro (rund 20 US-Dollar im Monat) freigeschaltet, wie die Perplexity-Homepage prominent bewirbt. Damit senkt Perplexity die Einstiegshürde drastisch und rückt preislich in den Bereich, in dem ChatGPT Plus und Claude Pro spielen.
OpenAI Codex Desktop mit Computer Use
OpenAI hat am selben 16. April sein Codex-Desktop-App massiv ausgebaut. Der Fokus: Codex verlässt den Editor und übernimmt andere Anwendungen.
- Computer Use: Codex steuert Apps auf Mac und Windows mit eigenem Cursor, sieht, klickt und tippt. Mehrere Agenten können parallel auf dem gleichen Rechner laufen, ohne die aktive Arbeit zu stören.
- In-App-Browser: Ein auf OpenAIs Atlas aufgebauter Browser, direkt in der Codex-App. Damit entfallen Kontextwechsel, und der Agent kann Web-Inhalte parsen, ohne den eigenen Safari oder Chrome zu beanspruchen.
- Plugin-Ökosystem: Mehr als 90 neue Plugins, die Skills, App-Integrationen und MCP-Server kombinieren. SSH-Anbindung an Remote-Devboxes ist dabei.
- Memory-Preview: Codex kann sich Präferenzen, Korrekturen und mühsam erarbeitete Informationen merken.
- Bilder und PRs: gpt-image-1.5 für Bildgenerierung sowie eine überarbeitete PR-Review-Ansicht mit Multi-File- und Terminal-Unterstützung.
Der wichtigste Punkt für DACH-Teams steht in den Release-Notes fast beiläufig: Computer Use ist in der EU und in UK nicht verfügbar. Die übrigen Codex-Updates rollen weltweit an eingeloggte ChatGPT-Nutzer aus, aber den Teil, der den lokalen Rechner steuert, hält OpenAI für die EU zurück. Offizielle Begründung fehlt zum Launch, die naheliegenden Kandidaten sind AI Act, DSA und DSGVO. Für viele deutsche, österreichische und schweizerische Teams bedeutet das schlicht: Das Feature ist heute nicht nutzbar, zumindest nicht legal und supported.
Einordnung gegenüber der Konkurrenz
Vier Ansätze, vier Philosophien.
OpenAI Operator läuft in der Cloud und steuert einen virtuellen Browser. Kein Zugriff auf lokale Ressourcen, dafür breite Abdeckung von Webanwendungen. Eher der Fernsteuer-Ansatz.
Claude Computer Use ist ein API-Feature, das lokal über die Anthropic-API integriert wird. Flexibel, aber Entwickler-fokussiert. Wer Claude Computer Use produktiv einsetzen will, baut dazu typischerweise eigene Infrastruktur.
Perplexity Personal Computer sitzt dazwischen. Lokal installiert, aber mit zentralem Service im Hintergrund. Zugriff auf Mac-Apps, was weder Operator noch Computer Use in dieser Form bieten. Mac-only.
OpenAI Codex Desktop Computer Use adressiert den Arbeitsplatz von Entwicklern direkter. Mac und Windows, Multi-Agent-Parallelisierung, tiefe Integration mit Codex, Git und Remote-Devboxes. In der EU und UK nicht verfügbar.
Bemerkenswert ist, dass die beiden Launches des 16. April sehr unterschiedliche Zielgruppen bedienen: Perplexity zielt auf Knowledge Worker mit Mac und vielen parallelen Recherchen. Codex zielt auf Entwickler, die Codex ohnehin schon im Terminal nutzen und den Schritt zum Agenten machen wollen.
DSGVO im Kopf behalten
Der lokale Zugriff ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bleibt mehr Kontext beim Nutzer, statt in der Cloud zu landen. Auf der anderen Seite greifen die Agenten auf Mail, Chat, Kalender und lokale Dateien zu, also auf Systeme mit personenbezogenen Daten von Dritten.
Wer eins der beiden Tools im Unternehmenskontext einführen will, braucht Klarheit über mindestens drei Punkte:
- Datenverarbeitung beim Anbieter: Welche Inhalte verlassen den Rechner und landen bei Perplexity oder OpenAI? Die Dokumentation dazu ist zum Launch-Zeitpunkt dünn.
- Auftragsverarbeitungsvertrag: Ohne AV-Vertrag kein DSGVO-konformer Einsatz für B2B-Workflows.
- App- und Ordner-Berechtigungen: Zugriff auf Apple Mail oder lokale Projektordner heißt in der Praxis Zugriff auf Kommunikation und Dokumente Dritter. Das Einwilligungs-Thema sollte vor dem Start geklärt sein.
Bei Codex kommt für DACH-Teams der EU/UK-Block hinzu: Computer Use ist dort schlicht nicht freigeschaltet. Das spart zwar eine DSGVO-Bewertung, nimmt Teams aber auch die Option.
Was das für Teams heißt
Desktop-Agenten sind 2026 kein Experiment mehr. OpenAI hat Operator im November 2025 öffentlich gemacht, Anthropic zieht mit Computer Use seit fast einem Jahr nach, und am 16. April haben Perplexity und OpenAI Codex Desktop zwei weitere Optionen in den Markt gestellt. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern welcher Agent zum eigenen Workflow passt.
Perplexity Personal Computer eignet sich für Teams und Einzelpersonen, die viele gleichzeitig laufende Recherchen brauchen, bei denen Kontext über Apps hinweg geht, die einen Mac produktiv nutzen, die mit einem Pro-Abo (rund 20 US-Dollar im Monat) ausgestattet sind oder eines abschließen wollen, und bei denen DSGVO-Fragen entweder geklärt sind oder im Single-User-Kontext vernachlässigt werden können. Für alle, die auf Windows oder Linux arbeiten, ist es eine Meldung zum Abwarten.
OpenAI Codex Desktop Computer Use richtet sich an Entwickler, die Codex schon nutzen und den Sprung zum Agenten machen wollen. Für DACH-Teams ist der EU/UK-Block der entscheidende Stopper. Wer auf Computer Use gewartet hat, muss entweder auf eine Freigabe warten oder bei Claude Computer Use als lokal integrierbare Alternative bleiben.
Eine einfache Frage bleibt trotzdem: Wenn du deinen Mac oder deine Entwickler-Maschine ohnehin unter dem Schreibtisch stehen hast, warum nicht einen Agenten daraus machen? Die Antwort hängt 2026 erstmals auch davon ab, wo du sitzt.
Quellen10
- Perplexity Blog - Introducing Perplexity Computerperplexity.ai
- 9to5Mac - Perplexity Personal Computer for Mac9to5mac.com
- MacRumors - Perplexity Launches Personal Computermacrumors.com
- iClarified - Perplexity Launches Personal Computericlarified.com
- TechBriefly - Personal Computer for Mac Subscriberstechbriefly.com
- Dataconomy - Personal Computer AI for Mac Usersdataconomy.com
- StartupNews.fyi - Mac mini als Always-On AI Agentstartupnews.fyi
- OpenAI - Codex for (almost) everythingopenai.com
- VentureBeat - OpenAI Codex Desktop Computer Useventurebeat.com
- MacRumors - OpenAI Codex Update mit Computer Usemacrumors.com