Sonnet 5: gleiche Token-Preise, doppelte Realkosten
Unabhängige Messungen zeigen: Sonnet 5 kostet pro Aufgabe rund doppelt so viel wie der Vorgänger, obwohl der Token-Preis gleich bleibt. Woran das liegt.
Beim Release von Claude Sonnet 5 war der günstige Token-Preis die Schlagzeile, und wir hatten schon angemerkt, dass niedrigere Token-Preise nicht automatisch niedrigere Kosten pro Aufgabe bedeuten. Jetzt gibt es dazu Messwerte, und sie fallen deutlicher aus als erwartet.
Die Zahlen
Die unabhängige Analysefirma Artificial Analysis hat die Kosten pro Aufgabe in ihrem Intelligence-Index gemessen. Sonnet 5 landet dort bei einem Index-Wert von 53, dem fünfthöchsten im Feld. Der Preis pro Aufgabe erzählt aber eine andere Geschichte als der Token-Preis:
| Modell | Kosten pro Aufgabe (Intelligence-Index) |
|---|---|
| Sonnet 4.6 | ca. 1,15 $ |
| Opus 4.8 | ca. 1,99 $ |
| Sonnet 5 | ca. 2,29 $ |
Sonnet 5 kostet pro Aufgabe also rund doppelt so viel wie der direkte Vorgänger Sonnet 4.6, und sogar etwas mehr als das eigentlich teurere Opus 4.8. Im Vergleichsfeld ist es damit eines der teuersten Modelle im Betrieb, direkt hinter Fable 5. Alle Werte sind zu den regulären Raten gerechnet, ohne den Einführungsrabatt.
Warum es trotzdem teurer wird
Der Preis pro Token hat sich nicht geändert. Sonnet 5 behält die 3 Dollar pro Million Input- und 15 Dollar pro Million Output-Tokens des Vorgängers. Der Unterschied steckt allein im Verbrauch: Laut Artificial Analysis zieht Sonnet 5 rund 40 Prozent mehr Output-Tokens pro Aufgabe und braucht etwa dreimal so viele Agenten-Schritte bei der Wissensarbeit wie Sonnet 4.6.
Das ist die logische Kehrseite dessen, was Sonnet 5 stark macht. Ein agentischeres Modell plant mehr, ruft mehr Werkzeuge auf und arbeitet selbstständiger, und genau das kostet Tokens. Der Listenpreis pro Token bleibt gleich, die Rechnung am Monatsende wächst trotzdem.
Was das praktisch heißt
Für Teams ändert der Befund nichts an der Empfehlung, wohl aber an der Erwartung. Sonnet 5 bleibt ein starkes Modell für agentische Arbeit, aber wer mit "endlich billiger als Opus" gerechnet hat, sollte genauer hinsehen. Vor dem breiten Umstieg lohnt es sich, den Verbrauch an der eigenen Last zu messen, statt auf den Preis pro Token zu schauen. Zwei Aufgaben, gleicher Token-Preis, können sehr unterschiedlich teuer sein, je nachdem wie viele Schritte das Modell dafür braucht.
Der Einführungsrabatt auf 2 beziehungsweise 10 Dollar läuft bis zum 31. August und senkt die Rechnung um ein Drittel. Danach schlagen die vollen Raten auf den höheren Verbrauch durch, der Termin gehört also in den Kalender. Welche Hebel es gibt, um den Verbrauch im Team zu senken, steht in KI-Kosten im Team senken.
Unterm Strich ist das kein Grund, Sonnet 5 zu meiden. Es ist ein Grund, den Preis pro Aufgabe zur Kennzahl zu machen und nicht den Preis pro Token. Der eine steht im Marketing, der andere steht auf der Rechnung.
Quellen
- Artificial Analysis: Claude Sonnet 5 – strong agentic performance at a higher cost per task - die gemessenen Kosten pro Aufgabe und der Token-Mehrverbrauch (01.07.2026)
- The Decoder: Claude Sonnet 5 continues Anthropic's pattern of hiding price increases behind unchanged token rates - Einordnung des Effekts (01.07.2026)