Ifo: Firmen erwarten sinkende Löhne durch KI

3.000 KI-nutzende Betriebe in Deutschland wurden befragt. Eine Gruppe fällt aus dem Muster, und daran lässt sich ablesen, wofür Firmen noch zahlen.

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Das Ifo-Institut hat mehr als 3.000 Unternehmen in Deutschland befragt, die KI bereits im Betrieb einsetzen. Gefragt wurde, wie sich die Löhne in den nächsten fünf Jahren entwickeln. Ifo-Forscherin Anna Ruffert fasst das Ergebnis so zusammen, dass deutlich mehr Unternehmen negative als positive Effekte erwarten.

Die Zahlen sind unangenehm, aber sie sind auch differenzierter, als die Überschrift nahelegt.

Die vier Gruppen

Aufgeschlüsselt nach Berufserfahrung und Abschluss ergibt sich dieses Bild:

GruppeErwarten sinkende LöhneErwarten steigende Löhne
Unter 5 Jahre, ohne Hochschulabschluss48,3 %5,9 %
Unter 5 Jahre, mit Hochschulabschluss50,8 %16,3 %
Ab 5 Jahre, ohne Hochschulabschluss40,4 %9,7 %
Ab 5 Jahre, mit Hochschulabschluss37,5 %26,0 %

Nach Branchen sind die Dienstleister am pessimistischsten: Für Berufsanfänger erwarten dort 53,3 Prozent der Betriebe sinkende Löhne. Im Handel sind es 47,9 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe 46,5, am Bau 39,0.

Die Zeile, die aus dem Muster fällt

In drei der vier Gruppen ist das Verhältnis deutlich: Auf jeden Betrieb, der steigende Löhne erwartet, kommen vier bis acht, die von sinkenden ausgehen. In der letzten Zeile kippt das. Bei erfahrenen Beschäftigten mit Abschluss stehen 37,5 Prozent gegen 26,0 Prozent, und das ist fast ausgeglichen.

Der Abschluss allein erklärt das nicht. Bei den Berufsanfängern mit Hochschulabschluss ist die Erwartung sinkender Löhne mit 50,8 Prozent sogar die höchste im ganzen Feld. Erst die Kombination aus Abschluss und mehreren Jahren Praxis dreht das Verhältnis.

Interessant ist der Vergleich mit einer früheren Ifo-Erhebung vom 12.06.2026, die eine andere Frage gestellt hat: Wie leicht ließe sich vorhandenes Personal durch KI-gestützte Kräfte ersetzen? Damals hielten knapp 20 Prozent der Betriebe einen Hochschulabschluss für ersetzbar, aber nur rund 15 Prozent die Berufserfahrung. Ruffert formulierte es so, dass Berufserfahrung offenbar schwerer durch KI auszugleichen ist als ein formaler Abschluss. Beide Erhebungen zeigen in dieselbe Richtung.

Was Unternehmen also weiterhin bezahlen wollen, ist nicht die Fähigkeit, etwas herzustellen. Die haben sie jetzt billiger. Bezahlt wird die Fähigkeit einzuschätzen, ob das Hergestellte taugt.

Für unser Arbeitsfeld ist das keine abstrakte Beobachtung. Genau diese Fähigkeit ist es, die beim Review von generiertem Code den Unterschied macht, und sie ist der Grund, warum fast richtiger Code nicht reicht.

Was die Zahlen nicht sagen

Das sind Erwartungen, keine Messungen, und gefragt wurde nach einem Zeitraum von fünf Jahren. Fünfjahresprognosen sind in dieser Branche selten gut gealtert.

Wichtiger noch: Die Erwartungen stammen von denen, die die Löhne festsetzen. Das macht die Umfrage nicht wertlos, aber neutral ist sie nicht. Ein Unternehmen, das sinkende Löhne für plausibel hält, ist eines, das sie für durchsetzbar hält.

Und befragt wurden ausschließlich Betriebe, die KI bereits einsetzen. Für unsere Zielgruppe ist das die richtige Auswahl. Der Arbeitsmarkt insgesamt ist es nicht.

Der Kontext daneben

Am selben Tag meldete heise eine Bitkom-Umfrage, wonach viele Tech-Start-ups wegen KI bereits auf Neueinstellungen verzichten oder Stellen abbauen. Die Internationale Arbeitsorganisation berichtet unabhängig davon, dass der Berufseinstieg schwieriger wird.

Damit gibt es zum ersten Mal belastbare DACH-Zahlen zu einem Thema, das wir bislang nur mit US-Erhebungen und Analystenprognosen belegen konnten. Das ist der eigentliche Wert dieser Meldung.

Die naheliegende Lesart wäre, dass KI Berufseinsteiger verdrängt. Die Zahlen stützen eher eine andere: Der Einstieg über reine Ausführung schließt sich, der Weg über Urteilsvermögen bleibt offen. Das ist unbequem, weil Urteilsvermögen bisher meistens durch Ausführung erworben wurde und Teams sich überlegen müssen, wie das künftig gehen soll. Aber es ist etwas anderes als eine Tür, die zufällt.

Quellen3