Studie: ChatGPT speichert meist ungefragt
Echte ChatGPT-Daten zeigen, was im Gedächtnis landet: oft Gesundheitsdaten, kaum auf Wunsch. Wie es Claude handhabt und was ihr prüfen solltet.
Wer ChatGPT mit eingeschaltetem Gedächtnis nutzt, entscheidet nur selten selbst, was sich das System merkt. Das zeigt eine Studie von Forschenden des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme, der Ruhr-Universität Bochum, des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre, des IIT Kharagpur und der TU Delft. Sie haben echte Gedächtniseinträge von ChatGPT-Nutzenden ausgewertet, vorgestellt auf der ACM Web Conference 2026. Über die Ergebnisse berichtete jetzt t3n.
Die Daten kommen über das Auskunftsrecht der DSGVO
An die Gedächtnisdaten kommt man von außen nicht heran. Die Forschenden nutzen deshalb einen Umweg, den jede und jeder in der EU hat: 80 Teilnehmende haben nach Artikel 15 DSGVO bei OpenAI eine Kopie ihrer Daten angefordert und sie für die Forschung gespendet. Gut 60 Prozent kamen aus Europa, ein Drittel aus den USA, alle nutzten ChatGPT regelmäßig. In den Verläufen fanden die Forschenden 1.058 Gespräche mit 22.971 Anfragen, in denen ChatGPT insgesamt 2.050 Gedächtniseinträge angelegt hat.
Die Kernzahlen aus dem Paper:
| Befund | Anteil |
|---|---|
| Einträge, um die jemand ausdrücklich gebeten hat | 4 Prozent |
| Einträge mit personenbezogenen Daten nach DSGVO | 28 Prozent |
| Einträge mit besonders geschützten Daten (z.B. Gesundheit) | 7 Prozent |
| Teilnehmende mit Gesundheitsangaben im Gedächtnis | 35 Prozent |
| Einträge mit psychologischen Merkmalen | 52 Prozent |
| Einträge, die sich direkt auf Gesagtes stützen | 84 Prozent |
Die 4 Prozent sind etwas grob gemessen. Die Forschenden haben nach Formulierungen wie "merk dir", "speichere" oder "vergiss" gesucht. Wer ChatGPT anders um etwas bittet, fällt durch dieses Raster. An der Richtung ändert das wenig: Den allergrößten Teil der Einträge legt ChatGPT selbst an.
Das ist erlaubt. OpenAI schreibt selbst, dass ChatGPT Dinge speichern kann, die es für nützlich hält. Problematisch ist der zweite Teil. Laut den Regeln, die das Paper zitiert, soll ChatGPT sensible Daten wie Gesundheit oder Religion nur auf ausdrücklichen Wunsch speichern. In den echten Daten hatte mehr als die Hälfte der Teilnehmenden besonders geschützte Daten im Gedächtnis, und Gesundheit war darunter die häufigste Kategorie. Dazu kommen Einträge, die eher ein Persönlichkeitsbild zeichnen als Fakten festhalten. Ein Beispiel aus dem Paper: Die Person "hat Angst vor dem Scheitern, besonders bei großen Karriereentscheidungen".
Ganz verlässlich ist das Bild außerdem nicht. Bei 5 Prozent der Einträge hat ChatGPT etwas als Tatsache gespeichert, das nur geschlossen war. Wer nach Bands fragt, die ähnlich wie Nirvana klingen, gilt danach als Nirvana-Fan.
Was die Übersicht in ChatGPT zeigt und was nicht
In den Einstellungen unter Personalisierung und Gedächtnis lässt sich ansehen, was ChatGPT gespeichert hat. Laut Hilfe-Center ist das aber nicht die ganze Wahrheit. Die Zusammenfassung des Gedächtnisses sei ein grober Überblick und könne Details auslassen. Neben den gespeicherten Einträgen nutzt ChatGPT je nach Einstellung auch frühere Chats, Dateien aus der Bibliothek und verbundene Apps wie Gmail. Zwei weitere Punkte überraschen viele:
- Einen Chat zu löschen, löscht nicht den Gedächtniseintrag, der daraus entstanden ist. Beides muss man getrennt entfernen.
- Gelöschte Einträge können laut OpenAI bis zu 30 Tage in Protokollen bleiben.
Claude merkt sich auch etwas, lässt euch aber lesen
ChatGPT ist nicht der einzige Assistent mit Gedächtnis. Claude speichert ebenfalls selbstständig, ohne dass man darum bitten muss. Seit Juli 2026 legt Claude dafür keine tägliche Zusammenfassung mehr an, sondern einzelne Themen, die schon während des Gesprächs entstehen. Bei Free, Pro und Max ist das Gedächtnis standardmäßig an, in Team- und Enterprise-Organisationen zunächst aus.
Der Unterschied liegt in der Einsicht. Laut Anthropic seht ihr in den Einstellungen unter "Your Claude" jedes gespeicherte Thema einzeln und könnt es lesen, ändern oder löschen. Gesundheit, Religion und Politik speichert Claude laut Hilfe-Center nur, wenn man den Schalter "Include sensitive topics in memory" einschaltet, und dann mit einem Hinweis bei jeder Speicherung. Ausweis- und Kontonummern, Vorstrafen oder Aufenthaltsstatus speichert es nach eigenen Angaben nie.
Wie zuverlässig sich Claude an diese Regeln hält, hat niemand so unabhängig untersucht wie die Forschenden bei ChatGPT. Eine Regel auf dem Papier ist kein Beleg, das zeigt die Studie gerade. Der Vorteil ist, dass ihr bei Claude selbst nachsehen könnt, statt euch auf eine Zusammenfassung zu verlassen. Auch hier gilt übrigens: Ein gelöschter Chat nimmt die daraus entstandenen Einträge nicht mit.
Ähnlich arbeitet Claude Code. Die Auto Memory ist in lokalen Sitzungen standardmäßig an und schreibt eigene Notizen als einfache Markdown-Dateien nach ~/.claude/projects/<projekt>/memory/. Die lassen sich mit /memory öffnen, von Hand bearbeiten oder löschen. Abschalten geht dort ebenfalls, pro Projekt mit "autoMemoryEnabled": false in den Einstellungen.
Was ihr tun könnt
- Nachsehen, was gespeichert ist. Bei ChatGPT unter Einstellungen, Personalisierung, Gedächtnis. Bei Claude unter "Your Claude", dann "Manage" neben dem Gedächtnis. Was ihr dort nicht wollt, löscht ihr. Und wenn ihr den Chat dazu auch nicht mehr braucht, den gleich mit.
- Die eigene DSGVO-Auskunft anfordern. Das ist der Weg, den die Studie gegangen ist, und er steht jeder Person in der EU offen. Bei Claude sind die Gedächtnisdaten laut Hilfe-Center auch im Datenexport enthalten.
- Für sensible Fragen ohne Gedächtnis arbeiten. Temporäre Chats bei ChatGPT legen keine neuen Einträge an, Inkognito-Chats bei Claude ebenso wenig. Wer eine Gesundheitsfrage stellt, sollte das bewusst dort tun.
- Im Team klären, ob das Gedächtnis an sein soll. Bei Claude ist es in Team und Enterprise standardmäßig aus, bei ChatGPT hängt es vom Plan und vom Workspace ab. Wer Kundendaten oder Personalfragen in einen Assistenten tippt, sollte wissen, was davon dauerhaft bleibt.
Das Gedächtnis ist nützlich, weil man nicht jedes Mal von vorn erklären muss. Der Preis ist ein Profil, das ihr nur dann im Griff habt, wenn ihr es auch lesen könnt. Welche DSGVO-Pflichten beim Einsatz im Unternehmen dazukommen, steht in DSGVO und KI-Tools: Was Teams wissen müssen.
Quellen6
- Dash et al.: The Algorithmic Self-Portrait: Deconstructing Memory in ChatGPT (arXiv 2602.01450, ACM Web Conference 2026)arxiv.org
- t3n: Studie zu psychologischen Profilen im ChatGPT-Gedächtnis (25.10.2026)t3n.de
- OpenAI Help Center: Memory in ChatGPT (abgerufen 27.10.2026)help.openai.com
- Claude Help Center: Use Claude's chat search and memory (abgerufen 27.10.2026)support.claude.com
- Claude Blog: Claude's memory works everywhere, and you decide what's in it (25.08.2026)claude.com
- Claude Code Docs: How Claude remembers your project, Abschnitt Auto memory (abgerufen 27.10.2026)code.claude.com