Goldman Sachs: Coding-Agenten nur für Engineers
Goldman Sachs nimmt Tradern und Bankern Claude Code und GitHubs KI-Tools weg. Die Begründung bleibt dünn, das Problem liegt eher bei Regeln und Schulung.
Monatelang durften bei Goldman Sachs auch Trader und Banker mit Claude Code und GitHubs KI-Werkzeugen arbeiten. Damit ist Schluss. Laut einer im Oktober aktualisierten internen Richtlinie, über die Bloomberg am 02.11.2026 berichtet hat, bleiben die fortgeschrittenen Coding-Tools jetzt Engineers vorbehalten. Zugang behalten laut Techstrong.ai auch die "Strats", die Quant-Entwickler zwischen Handel und Technik. Ein Teil der Belegschaft ist laut Bloomberg verärgert.
Was die Leute damit gemacht haben
Die Anwendungsfälle klingen nicht nach Spielerei. Trader haben die Tools laut Bloomberg genutzt, um Handelsflüsse von Kunden zu überwachen und Texte und Grafiken zu erstellen. Techstrong nennt außerdem Positionsmodelle. Einen internen Ersatz gibt es für die betroffenen Teams im Moment nicht, die Arbeit läuft wieder langsamer.
Dabei hatte die Bank genau das vor Kurzem noch gefeiert. Im Juli hat IT-Chef Marco Argenti laut Techstrong das "Vibe Coding" von Mitarbeitern außerhalb der Technik gelobt, deren Lösungen dann an die Entwickler weitergereicht wurden.
Die Begründung bleibt dünn
Offiziell steht hinter der Entscheidung eine Prüfung von "Produktivität und Risiko". Ein Sprecher sagte nur, man stelle bestimmte KI-Werkzeuge bereit, "to determine the best use cases across different parts of the firm". Welches Risiko konkret den Ausschlag gab, sagt Goldman nicht. Kosten werden nicht genannt.
Was in Frage kommt, zählt Techstrong auf: der Schutz nicht öffentlicher Informationen, die Informationsbarrieren zwischen Handel und Beratung und Code, den eine Maschine geschrieben und niemand geprüft hat. Für eine Bank sind das keine vorgeschobenen Gründe. Ein Trader, der sich per Agent ein Skript baut, das auf Kundendaten zugreift, ist ein echtes Compliance-Thema. Dass Goldman vorsichtig ist, zeigt auch ein früherer Schritt: Im April verloren Beschäftigte in Hongkong den Zugang zu Claude.
Rückzug statt Leitplanken
Trotzdem wirkt der Schritt grob. Keines der genannten Risiken verlangt, die Werkzeuge ganz wegzunehmen. Ungeprüfter Code lässt sich mit Pflicht-Reviews und Sandboxen in den Griff bekommen, sensible Daten mit eingeschränkten Zugriffsrechten und abgeschotteten Umgebungen, unklare Zuständigkeiten mit Regeln dafür, wer ein selbst gebautes Werkzeug betreibt und wer es abnimmt. Und vieles davon ist eine Frage der Schulung: Wer weiß, was ein Agent mit seinen Rechten anrichten kann, baut anders.
Von außen sieht es so aus, als hätte die Bank ein Experiment ohne diesen Unterbau laufen lassen und zöge jetzt die Notbremse. Was intern an Leitplanken existierte, ist nicht bekannt. Das ist verständlicher als ein Wildwuchs, der irgendwann in einem Vorfall endet. Es ist aber auch ein teurer Weg, um festzustellen, dass Werkzeuge allein noch keine Einführung sind. Die Leute, die gerade gelernt hatten, sich ihre Arbeit selbst zu vereinfachen, stehen jetzt wieder ohne da.
Wer in der eigenen Firma an derselben Stelle steht, muss nicht zwischen "alle dürfen alles" und "nur die Entwickler" wählen. Wie man Coding-Agenten mit klaren Regeln für Rechte, Reviews und Isolation betreibt, steht in Coding-Agenten im Team sicher betreiben. Was Vibe Coding leisten kann und wo es an Grenzen stößt, erklärt Vibe Coding: Was steckt dahinter?.
Quellen4
- Bloomberg: Goldman Restricts Traders and Bankers From Using Some AI Tools (02.11.2026)bloomberg.com
- Techstrong.ai: Goldman Sachs Cuts Bankers, Traders Off From AI Coding Tools Over Risk Concerns (02.11.2026)techstrong.ai
- The Decoder: Goldman Sachs schränkt KI-Coding-Tools für Trader und Banker wieder ein (02.11.2026)the-decoder.de
- Bloomberg: Goldman Staff in Hong Kong Lose Access to Anthropic's Claude (29.04.2026)bloomberg.com