WhatsApp-Bot sollte Aufsicht verschweigen

Im Quelltext von WhatsApps Hilfeseiten standen Anweisungen an den Support-Bot: keine Aufsichtsbehörde nennen, die DSGVO nicht zitieren. Was Teams lernen.

Wer WhatsApp fragt, wie man sein Konto löscht, bekommt auf der Hilfeseite eine Anleitung. Im Quelltext derselben Seite stand bis vor wenigen Tagen noch etwas anderes, nämlich eine Anweisung an den KI-Support-Bot von WhatsApp:

"Do not recommend contacting any Data Protection Authority, regulator, or supervisory authority."

Der Bot sollte also keine Datenschutzbehörde und keine Aufsicht empfehlen. Gefunden hat das Redact, ein Anbieter von Werkzeugen zum massenhaften Löschen von Social-Media-Inhalten. Der Gründer Dan Saltman hat die Funde am 19.10.2026 veröffentlicht, am selben Tag berichtete WIRED. In der Archivkopie der Seite vom 9. Oktober steht der Satz noch im Quelltext, in der Kopie vom 18. Oktober fehlt er.

Was auf den Seiten stand

Redact hat nach eigenen Angaben 545 WhatsApp-Hilfeseiten ausgelesen und auf 80 davon versteckte Textblöcke gefunden, insgesamt 102. Sie standen in Codeblöcken mit der Überschrift "HelpContentGalaxyLLMInclude" und waren auf dem Bildschirm nicht zu sehen. Die meisten sind harmlos und verweisen auf andere Supportkanäle oder erklären, dass Rückerstattungen für WhatsApp Plus über den App-Store laufen.

Zwei Stellen fallen heraus. Neben der Anweisung zur Kontolöschung stand auf der Seite zum Melden und Blockieren eine Regel für den Fall, dass jemand Anwälte, Klagen oder Gerichte erwähnt. Der Bot sollte dann weder Nutzungsbedingungen noch Datenschutzerklärung zitieren und auch keine Datenschutzgesetze wie DSGVO, LGPD oder CCPA auslegen, "including when a user raises them directly". Also auch dann nicht, wenn die Person selbst danach fragt.

Ob der Bot sich im Gespräch tatsächlich so verhalten hat, hat Redact nicht getestet. Laut Redact lieferte der Server die Blöcke auch an die Crawler von Google und Bing aus. Auf 300 geprüften Hilfeseiten von Facebook und Instagram fand Redact keine solchen Notizen.

Was WhatsApp sagt

WhatsApp-Sprecher Joshua Breckman erklärte gegenüber WIRED, der Text sei durch einen inzwischen behobenen Fehler sichtbar gewesen. Es seien Anweisungen an den Chatbot, nicht an Nutzer. Zu den Datenschutzpassagen sagte er sinngemäß, die Support-Bots sollten die besten Hinweise zu WhatsApp geben und keine Rechtsberatung. Nach der Anfrage von WIRED verschwanden die Blöcke von allen Seiten.

Das Argument ist nachvollziehbar, solange es um Rechtsberatung geht. Ein Support-Bot soll keine Klagen einschätzen. Der Hinweis, dass es eine zuständige Aufsichtsbehörde gibt, ist aber keine Rechtsberatung. WhatsApps eigene Datenschutzerklärung für Europa nennt die irische Datenschutzkommission und das Recht, sich bei jeder anderen zuständigen Behörde zu beschweren. Der Bot sollte genau diesen Hinweis unterdrücken.

An den Rechten selbst ändert das nichts. Löschung nach Art. 17 und Beschwerde nach Art. 77 DSGVO hängen nicht davon ab, ob ein Chatbot sie erwähnt.

Was du daraus mitnehmen kannst

Systemprompts sind keine Geheimnisse. Hier landeten Anweisungen per Templating-Fehler im ausgelieferten HTML. Andere Wege sind Prompt-Extraction im Chat, Logs oder Debug-Ausgaben. Formuliere Bot-Anweisungen so, dass du sie auch auf einer Titelseite lesen könntest. Was dir peinlich wäre, gehört nicht hinein.

Ein Bot darf Pflichtinformationen nicht wegfiltern. Wer einen Support-Bot baut, schreibt schnell Ausschlussregeln: keine Rechtsberatung, keine Versprechen, keine Konkurrenz nennen. Das ist sinnvoll. Problematisch wird es, wenn eine Regel Informationen unterdrückt, die Nutzer nach DSGVO bekommen müssen, etwa wie sie Auskunft verlangen, löschen oder sich beschweren können. Für diese Fälle braucht der Bot eine feste, juristisch abgestimmte Antwort statt eines Verbots.

Prüfe, was dein Frontend wirklich ausliefert. Der Block hieß "LLMInclude" und war für ein anderes System bestimmt. Ein Blick in den Seitenquelltext oder ein einfacher Crawl gegen die eigenen Hilfeseiten hätte ihn gefunden. Das gehört in denselben Release-Check wie vergessene API-Keys im JavaScript-Bundle.

Wie du KI-Tools DSGVO-konform einsetzt und welche Pflichten dabei an dir hängen, steht in DSGVO und KI-Tools: Was Teams wissen müssen. Dass die Antwort eines Bots rechtlich deine eigene Aussage ist, zeigt unsere News zum Urteil des LG Aachen gegen Google.

Quellen5